20. Juni 1991 Hauptstadtbeschluss: der Beschluss, der Berlin umgebaut hat

Am 20. Juni 1991 beschloss der Bundestag, Berlin zur Hauptstadt zu machen – und löste die größte Baustelle Europas aus.

Bundestag Bonn 1991
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Sie stehen an der Kreuzung Friedrichstraße und Unter den Linden und fragen sich, warum ein Teil Berlins plötzlich aus gläsernen Bürotürmen und einem Band aus Stahl und Beton besteht, während der Rest der Stadt noch die Narben der Teilung trägt. Die Antwort ist der Hauptstadtbeschluss 1991 Berlin, eine Abstimmung im Deutschen Bundestag am 20. Juni 1991, die mit 338 zu 320 Stimmen entschied, dass Berlin und nicht Bonn die Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands wird. Dieser Beschluss verwandelte binnen eines Jahrzehnts die Brachflächen am Spreebogen und am Potsdamer Platz in die größte Baustelle Europas. Was vorher Todesstreifen, leere Grenzfelder und ein verlassener Bahnhof waren, wurde zu einem Regierungsviertel, das heute die Macht der Republik beherbergt.

20. Juni 1991 Berlin Hauptstadt: Die Entscheidung Der Zehnstündigen Debatte

Am Morgen des 20. Juni 1991 begann im Bonner Wasserwerk eine Debatte, die zehn Stunden dauerte und in der 107 Abgeordnete das Wort ergriffen. Auf der einen Seite stand der Antrag der SPD-Abgeordneten Willy Brandt, Hans-Jochen Vogel und Wolfgang Thierse mit dem Titel Vollendung der Einheit Deutschlands, der Berlin zur Hauptstadt machen wollte. Auf der anderen Seite stand der Antrag von Norbert Blüm und Editha Limbach (CDU/CSU), der unter dem Titel Bonn als Bundeshauptstadt den Sitz der Regierung im Rheinland belassen wollte. Die Abstimmung war geheim, und das Ergebnis war knapp: 338 Stimmen für Berlin, 320 für Bonn, zwei Enthaltungen, eine ungültige Stimme. Der 12. Deutsche Bundestag hatte entschieden.

Drei Jahre später, am 26. April 1994, folgte das Berlin/Bonn-Gesetz. Es legte fest, dass Berlin die Hauptstadt ist, aber kein Ministerium vollständig von Bonn nach Berlin verlagert werden durfte. Sechs von vierzehn Ministerien behielten ihren ersten Dienstsitz in Bonn, darunter das Verteidigungsministerium, das Landwirtschaftsministerium und das Gesundheitsministerium. Rund 20 Bundesbehörden blieben in Bonn, das seit 1994 den Titel Bundesstadt trägt. Der Umzug des Bundestages war 1999 abgeschlossen, das Bundeskanzleramt folgte 2001. Die Kosten für den gesamten Umzug beliefen sich auf rund 11 Milliarden DM, eine Zahl, die das Bundesbauministerium veröffentlicht hat und die je nach Berechnungsmethode variiert.

Bundestag Hauptstadtbeschluss Berlin: Vom Todesstreifen Zum Regierungsviertel

Der Bundestag Hauptstadtbeschluss Berlin bedeutete nicht nur einen Umzug von Akten und Beamten. Er bedeutete den Bau eines ganzen Regierungsviertels auf einem Gelände, das bis 1989 der Todesstreifen der Berliner Mauer war. Zwischen dem Reichstagsgebäude, dem Spreebogen und dem Tiergarten lag jahrzehntelang ein toter Streifen, gespickt mit Selbstschussanlagen und Patrouillenwegen. Nach dem Mauerfall am 9. November 1989 lag dieses Land brach: eine flache, weite Fläche, auf der zeitweise Clubs und wilde Projekte entstanden, bevor die Bauzäune kamen.

Das Band Des Bundes

Das städtebauliche Konzept von Axel Schultes und Charlotte Frank, das sogenannte Band des Bundes, zog sich über rund 900 Meter durch das Gelände. Es verband das Bundeskanzleramt mit dem Paul-Löbe-Haus und dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Die Bauzeit des gesamten Regierungsviertels erstreckte sich von 1995 bis 2005. Das Bundeskanzleramt, entworfen von Schultes und Frank, wurde am 4. Februar 1997 begonnen, am 2. September 1998 Richtfest gefeiert und am 2. Mai 2001 eingeweiht. Die Baukosten betrugen rund 465 Millionen DM. Das Paul-Löbe-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, beide vom Architekten Stephan Braunfels, wurden 2001 und 2003 fertiggestellt. Das Jakob-Kaiser-Haus folgte 2002. Dazwischen entstand der Spreebogenpark von Gustav Lange, gebaut zwischen 2002 und 2005.

Der Umbau Des Reichstagsgebäudes

Das Reichstagsgebäude selbst wurde von Norman Foster zwischen 1995 und 1999 umgebaut. Die Baukosten lagen bei rund 600 Millionen DM. Am 19. April 1999 tagte der Bundestag erstmals im Reichstag. Die gläserne Kuppel, die seitdem Besucher auf das Dach und über die Stadt blicken lässt, war fertiggestellt. Parallel dazu entstand der Tiergartentunnel: 2,4 Kilometer Länge, gebaut von 1995 bis 2006, eröffnet am 26. März 2006, Kosten rund 600 Millionen Euro. Der Lehrter Bahnhof, heute Berlin Hauptbahnhof, wurde von 1995 bis 2006 nach Plänen von Meinhard von Gerkan gebaut und am 26. Mai 2006 eröffnet. Kosten: rund 700 Millionen Euro.

Berlin Regierungssitz 1991: Die Größte Baustelle Europas Am Potsdamer Platz

Der Berlin Regierungssitz 1991 entfaltete seine räumlichen Folgen nicht nur am Spreebogen, sondern vor allem am Potsdamer Platz. Vor dem Krieg war dieser Platz der verkehrsreichste Knoten Europas. Nach dem Mauerbau lag er vollständig im Todesstreifen, abgeräumt und flach. Nach 1989 war er eine Mondlandschaft aus Sand und Schotter. Der Beschluss von 1991 setzte die Planung für eine Bebauung in Gang, die 1992 mit dem Bebauungsplan begann.

Die Bauherren Und Ihre Quartiere

Die Grundsteinlegung erfolgte am 11. Oktober 1993. Bauherren waren Daimler-Benz, Sony und Hertie, die insgesamt rund 10 Milliarden DM investierten. Das Daimler-Quartier, entworfen von Renzo Piano, wurde am 2. Oktober 1998 eröffnet. Das Sony Center von Helmut Jahn folgte am 14. Juni 2000. Das Beisheim Center von Hilmer & Sattler und Albrecht wurde 2004 fertig. Auf dem Höhepunkt der Bauarbeiten arbeiteten rund 5.000 Bauarbeiter gleichzeitig auf der Fläche, und etwa 40 Krane standen über dem Gelände. Zwischen 1995 und 2001 stand auf dem Platz die Info-Box, eine rote Aussichtsplattform, die rund 9 Millionen Besucher anzog. Sie war das Symbol der Baustelle: ein Bauzaun, der zum Besuchermagneten wurde.

Leerstand Und Kräne

Die Kehrseite des Booms zeigte sich bereits 1998: Rund 1,5 Millionen Quadratmeter Bürofläche standen in Berlin leer. In den 1990er Jahren waren über 1.000 Baukräne gleichzeitig in der Stadt zu sehen, eine Zahl, die das Berliner Senatsbauamt schätzte. Der Potsdamer Platz war die größte Baustelle Europas, aber auch ein Risiko. Die Bebauung des Leipziger Platzes und des Pariser Platzes rund um das Brandenburger Tor folgte in den gleichen Jahren, ebenso wie die Restaurierung des Brandenburger Tors zwischen 2000 und 2002.

Bonn Oder Berlin Hauptstadt: Die Aufteilung Der Macht

Die Frage Bonn oder Berlin Hauptstadt wurde nicht mit einem klaren Sieg einer Seite beantwortet. Das Berlin/Bonn-Gesetz von 1994 schuf ein kompliziertes System aus ersten und zweiten Dienstsitzen. Das Bundesfinanzministerium, das Auswärtige Amt, das Innenministerium, das Justizministerium, das Arbeitsministerium, das Wirtschaftsministerium, das Verkehrsministerium, das Familienministerium und das Bauministerium haben ihren ersten Dienstsitz in Berlin und einen Zweitsitz in Bonn. Das Verteidigungsministerium, das Landwirtschaftsministerium, das Entwicklungsministerium, das Umweltministerium, das Gesundheitsministerium und das Bildungsministerium haben ihren ersten Dienstsitz in Bonn.

Das Bundespresseamt sitzt in Berlin, der Beauftragte für Kultur und Medien hat seinen ersten Dienstsitz in Bonn. Der Bundesrat tagt in Berlin, unterhält eine Außenstelle in Bonn. Das Bundespräsidialamt hat seinen ersten Dienstsitz in Berlin, einen Zweitsitz in Bonn. Behörden wie das Bundeskartellamt, die Bundesnetzagentur, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und die Bundeszentrale für politische Bildung blieben ganz in Bonn. Die Bonn/Berlin-Ausgleichsvereinbarung von 1994 sicherte der Region Bonn Ausgleichszahlungen von rund 1,4 Milliarden Euro zwischen 1994 und 2004, eine Zahl, die die Bundesregierung in ihrem Ausgleichsbericht veröffentlicht hat.

Parlamentsbeschluss Berlin 1991: Was Vorher Auf Diesen Grundstücken War

Der Parlamentsbeschluss Berlin 1991 baute nicht auf leerem Land. Auf dem Gelände des heutigen Bundeskanzleramts standen bis 1989 Grenzanlagen und Wachtürme. Der Spreebogen war ein flaches, mit Gras bewachsenes Niemandsland. Der Potsdamer Platz war seit 1945 eine Trümmerfläche, die die Mauer dann vollständig abriegelte. Das Reichstagsgebäude selbst war nach dem Brand 1933 eine Ruine, dann ein provisorisch genutzter Bau der Bonner Republik, dessen Plenarsaal 1972 modernisiert worden war. Der Lehrter Bahnhof, der 1951 geschlossen worden war, lag als verfallener S-Bahnhof im Grenzstreifen. Der S-Bahnhof Brandenburger Tor wurde 1945 geschlossen und lag ebenfalls im Sperrgebiet. Alle diese Orte waren jahrzehntelang unzugänglich.

Was heute glatt und neu wirkt, war in den frühen 1990ern ein riesiges Provisorium. Berlin war roh, unfertig und voller Lücken. In diese Lücken setzten sich Clubs, besetzte Häuser und wilde Projekte. Der Todesstreifen wurde zur temporären Partymeile. Die Info-Box auf dem Platz zeigte den Besuchern, was kommen sollte, während sie noch auf dem Sand standen. Die Bauzäune und Krane blieben über ein Jahrzehnt das bestimmende Bild.

Wie Sie Die Räumlichen Folgen Des Beschlusses Heute Sehen

Planen Sie mindestens drei Tage ein. Weniger, und es bleibt bei einem oberflächlichen Mauersegment und einem Clubfoto. Die Distanzen zwischen den verstreuten Relikten der 1990er werden massiv unterschätzt. Gehen Sie den Mauerweg entlang, der 2005 eröffnet wurde und rund 160 Kilometer lang ist. Nutzen Sie die S- und U-Bahn als Rückgrat: Kaufen Sie eine BVG-Fahrkarte und entwerten Sie sie vor Fahrtantritt. Der häufigste Fehler ist es, den Entwerter-Stempel mit einem Kaufbeleg zu verwechseln und mit ungestempeltem Ticket zu fahren. Für Kieztouren hilft eine Offline-Karte mit historischen Overlays.

Start Im Regierungsviertel

Beginnen Sie am S-Bahnhof Brandenburger Tor. Gehen Sie zum Reichstagsgebäude, dann zum Bundeskanzleramt und durch den Spreebogenpark zum Paul-Löbe-Haus. Das Band des Bundes ist auf diesem Weg direkt erfahrbar. Buchen Sie eine Führung durch das Paul-Löbe-Haus oder das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, wenn Sie die Architektur von innen sehen wollen. Die Führungen sind kostenlos, aber eine Voranmeldung über den Bundestag ist nötig.

Potsdamer Platz Und Die Mauerreste

Gehen Sie dann zum Potsdamer Platz. Die Info-Box ist abgebaut, aber das Sony Center und das Daimler-Quartier stehen. Suchen Sie nach den Resten der East Side Gallery, 1,3 Kilometer bemalte Mauer am Ufer der Spree, direkt am S-Bahnhof Warschauer Straße. Die Bemalung von 118 Künstlern aus 21 Ländern stammt von 1990 und wurde 2009 restauriert. Der Mauerpark, sieben Hektar auf dem ehemaligen Todesstreifen, ist sonntags ein Flohmarkt und zeigt, wie eine Brache zum Stadtteilpark wurde. Die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße, eröffnet am 13. August 1998, dokumentiert den Grenzstreifen im Originalzustand mit etwa einer Million Besuchern jährlich (Stand 2023, eine Zahl der Stiftung Berliner Mauer). Der Tränenpalast am Bahnhof Friedrichstraße, die ehemalige Ausreisehalle, ist seit 2011 eine Gedenkstätte.

Die Versteckten 90er-Orte

Das RAW-Gelände in Friedrichshain, besetzte Reichsbahnbrachen, ist heute ein Kulturstandort. Das Kunsthaus Tacheles in Mitte ist teilsaniert und beherbergt eine Fotogalerie. Der YAAM, ein Club und eine Strandbar, ist ein verlagerter Ort der 90er-Jahre-Kultur. Der Spreepark in Treptow, ein verlassener DDR-Vergnügungspark, ist nur mit einer Führung zugänglich, die Vorausbuchung erfordert. Der Teufelsberg, eine Abhörstation auf einem Trümmerberg, ist ebenfalls nur mit Führung zugänglich. Die Gedenkstätte Topographie des Terrors, 2010 als Dokumentationszentrum eröffnet, liegt am Ort der ehemaligen Gestapo-Zentrale direkt an der Mauer.

Wann Sie Fahren Sollten

Die beste Reisezeit ist Mai bis September. Angenehmes Wetter macht lange Spaziergänge entlang der ehemaligen Grenzstreifen und Open-Air-Partys möglich, und viele Stadtführungen sind im Angebot. Vermeiden Sie die ITB-Messe im März, wenn die Hotelpreise extrem sind. Meiden Sie den 1. Mai, wenn der Krawalltourismus in Kreuzberg die historische Perspektive überlagert. Der November mit seinem trüben Wetter macht die Brachflächen-Romantik schwer lesbar. Der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) ist per S-Bahn (S9 oder S45) oder Regionalexpress in 30 bis 40 Minuten im Zentrum. Ein Einzelfahrschein für den ABC-Bereich kostet rund 4,40 Euro.

Reichstag building Berlin
Yevgeny Khaldei / Adam Cuerden , Public domain via Wikimedia Commons

Was Oft Schiefgeht: Die Typischen Fehler

Der häufigste Fehler: Nur den Checkpoint Charlie und das Mauermuseum besuchen und glauben, man habe die Transformation der 90er Jahre verstanden. Der eigentliche Umbau fand kilometerweit entfernt auf leeren Brachen und in Hinterhöfen statt. Viele 90er-Orte sind komplett verschwunden und nur per App oder Führung als historische Schicht lesbar. Baustellenlärm und Kräne dominieren noch immer das Bild ehemaliger Brachen. Clubtüren sind für Unvorbereitete oft unüberwindbar: die Türpolitik ist ein Relikt der 90er-Szene. In Clubs herrscht striktes Fotoverbot; Kameralinsen werden abgeklebt. Besucher, die ein homogenes, hübsches Altstadtbild suchen, werden hier nicht glücklich. Wer die Ästhetik der 1990er nicht aktiv lesen kann, sieht oft nur gesichtslose Neubauten und Baustellen.

Die Lokale Küche Der Übergangszeit: Bouletten, Soljanka Und Spätkauf-Bier

Die Transformation der 90er Jahre hat auch kulinarische Spuren hinterlassen. Die Schnellimbiss Ost-Kultur mit Bouletten und Soljanka ist ein Relikt der Übergangszeit. Der Döner Kebab in Kreuzberg erlebte in den 1990ern seinen Boom als günstiges Gericht für Bauarbeiter und Clubgänger. Die Clubgastronomie im Berghain, die Eisbar und die Bananen, ist ein direkter Nachfolger der 90er-Clubküche. Improvisierte Biergärten auf Brachen, wie heute der Holzmarkt, setzen die Tradition der illegalen 90er-Trinkorte fort. Die Spätkauf-Bierkultur, das Bier aus dem Späti auf der Straße, ist ein Erbe der Trinkorte, die in der provisorischen Stadt entstanden.

Schlüsselgebäude Und Ihre Bauzeiten Nach Dem Hauptstadtbeschluss
GebäudeArchitektBauzeitBauherr / Nutzer
Reichstagsgebäude (Umbau)Norman Foster1995–1999Deutscher Bundestag
BundeskanzleramtAxel Schultes, Charlotte Frank1997–2001Bundesregierung
Paul-Löbe-HausStephan Braunfels1997–2001Bundestag
Marie-Elisabeth-Lüders-HausStephan Braunfels1999–2003Bundestag
Jakob-Kaiser-HausThomas van den Valentyn1998–2002Bundestag
BundespräsidialamtMartin Gruber, Helmut Kleine-Kraneburg1996–1998Bundespräsidialamt
Potsdamer Platz (Daimler-Quartier)Renzo Piano1994–1998Daimler-Benz
Sony CenterHelmut Jahn1995–2000Sony
Beisheim CenterHilmer & Sattler, Albrecht1998–2004Beisheim
Berlin HauptbahnhofMeinhard von Gerkan1995–2006Deutsche Bahn
SpreebogenparkGustav Lange2002–2005Bundesregierung

Für Wen Der Hauptstadtbeschluss Und Seine Folgen Relevant Sind

Der Hauptstadtbeschluss 1991 Berlin und seine räumlichen Folgen sind für Geschichtsinteressierte der Nachwendezeit, Kenner der Techno- und Clubkultur, Urban-Exploration-Fans auf den Spuren von Brachen, Architekturinteressierte des Stadtumbaus und Besucher mit Faible für subkulturelle Nischen das zentrale Thema eines Berlin-Besuchs. Nicht geeignet ist dieses Thema für Besucher, die ein homogenes, hübsches Altstadtbild suchen. Wer die Ästhetik der 1990er nicht aktiv lesen kann, sieht oft nur gesichtslose Neubauten und Baustellen. Das einzelne Ereignis, das hier am häufigsten falsch verstanden wird: Der eigentliche Umbau fand nicht am Checkpoint Charlie statt, sondern kilometerweit entfernt auf leeren Brachen und in Hinterhöfen, und nur, wer diese Flächen zu Fuß geht, versteht, was der Beschluss vom 20. Juni 1991 aus Berlin gemacht hat.