Regierungsumzug 1999: der Umzug und die Gebäude, die dafür in Berlin entstanden

1999 zog die Bundesregierung von Bonn nach Berlin: Welche Gebäude im Spreebogen dafür entstanden und was vorher auf diesen Grundstücken war.

Bundestag Berlin dome
Ralf Roletschek , CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Der Regierungsumzug 1999 Berlin: Was Vom Todesstreifen Übrig Blieb

Der Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin 1999 war kein bloßer politischer Termin. Er schuf ein völlig neues Viertel auf dem Gelände der ehemaligen Mauer, dem Grenzstreifen zwischen Tiergarten und Spree. Der Beschluss fiel am 20. Juni 1991. Der tatsächliche Umzug von Parlament und Regierung erfolgte im Sommer 1999, die erste Bundestagssitzung im Reichstagsgebäude am 19. April 1999. Was heute glatt und planvoll wirkt, stand vor 1990 leer: Kleingärten, Brache und der Grenzstreifen, der jahrzehntelang Ost und West trennte.

Berlin Regierungsumzug 1999 Gebäude: Das Band Des Bundes Im Spreebogen

Das Band des Bundes

Das architektonische Kernstück des Umzugs ist das Band des Bundes, ein Gebäudeensemble im Spreebogen. Es umfasst das Bundeskanzleramt, das Paul-Löbe-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Alle drei Gebäude liegen entlang der Spree, verbunden durch Brücken und Stege. Vor 1990 verlief hier der Grenzstreifen. Die Grundstücke waren unbebaute Flächen mit Kleingärten und Schutthaufen. Der Fluss war Grenze, nicht Kulisse.

Bundeskanzleramt Berlin 1999: Adresse und Fertigstellung

Das Bundeskanzleramt, offiziell bezogen 2001, steht an der Adresse Willy-Brandt-Straße 1. Architekt Axel Schultes entwarf den Bau mit einer Bruttogeschossfläche von 64.413 Quadratmetern. Das Gebäude liegt direkt am Spreebogen, nördlich des Reichstagsgebäudes. Auf dem Grundstück befand sich vor 1990 der Grenzstreifen, durchzogen von Patrouillenwegen und Wachtürmen. Besuchen können Sie das Kanzleramt nur an einem Tag im Jahr: am Tag der offenen Tür am letzten Augustwochenende. Keine Voranmeldung nötig, aber rechnen Sie mit einer Sicherheitskontrolle vor Ort. Alle anderen Tage bleibt das Gebäude geschlossen.

Reichstag Umbau Berlin 1999: Norman Foster und die Glaskuppel

Der Reichstag-Umbau ist das sichtbarste Ergebnis des Umzugs. Architekt Norman Foster setzte dem historischen Gebäude eine Glaskuppel auf: 23,5 Meter hoch, 40 Meter Durchmesser, mit 360 Spiegeln im Lichtleiter. Der Zugang zur Kuppel ist kostenfrei, aber eine Anmeldung ist obligatorisch. Melden Sie sich frühestens drei Monate vor dem Besuch an, spätestens zwei Werktage vorher. Die Anmeldung erfolgt ausschließlich über den Besucherdienst des Deutschen Bundestages per Online-Formular, Fax oder Post. Telefonische Anmeldung ist nicht möglich. Sie benötigen Name, Vorname, Geburtsdatum und Geburtsort aller Besucher. Am Zugang zeigen Sie einen gültigen Personalausweis oder Reisepass vor. Das Reichstagsgebäude steht am Platz der Republik 1. Vor 1990 lag das Gebäude direkt an der Mauer, das Gelände davor war Brachland und Grenzstreifen. Die Kuppel öffnete im April 1999, zeitgleich mit der ersten Bundestagssitzung.

Paul-Löbe-Haus und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus

Das Paul-Löbe-Haus, Adresse Konrad-Adenauer-Straße 1, und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, Adresse Schiffbauerdamm 3, sind die beiden anderen Bestandteile des Bandes des Bundes. Beide Gebäude wurden 2002 fertiggestellt. Sie beherbergen Abgeordnetenbüros und Ausschusssäle. Das Paul-Löbe-Haus liegt am Spreebogen, das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus auf der anderen Spreeseite, verbunden durch eine Fußgängerbrücke. Vor 1990 standen hier Kleingärten und Schrebergärten auf dem Grenzstreifen. Führungen durch beide Häuser buchen Sie auf Anfrage über den Besucherdienst des Bundestages.

Bonn Nach Berlin Umzug 1999: Was Gebaut Wurde Und Was Fehlt

Der Umzug brachte zehn Ministerien nach Berlin und rund 15.000 Bundesbedienstete bis Ende 1999. Die Gesamtzahl der umgezogenen Beschäftigten inklusive nachgeordneter Behörden lag bei schätzungsweise 25.000. Die genauen Zahlen publiziert das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Die Ministeriumsneubauten entstanden nicht nur im Spreebogen, sondern auch in der Dorotheenstadt, an der Friedrichstraße und nahe dem Potsdamer Platz. Viele dieser Bauten stehen auf ehemaligen Brachflächen, die nach 1990 zunächst wild bespielt und dann bebaut wurden. Der S-Bahnhof Brandenburger Tor entstand erst mit dem Umzug. Das Bundespräsidialamt blieb im Schloss Bellevue im Tiergarten. Die Bauten des Bandes des Bundes sind die einzigen, die als geschlossenes Ensemble auf dem ehemaligen Grenzstreifen realisiert wurden.

Die Berliner Mietpreise stiegen im Zuge des Umzugs. Der Mietpreisindex Berlin lag 1995 bei 72,5 (Basisjahr 2020=100), 2000 bei 76,8 und 2005 bei 80,3. Die Quelle ist das Statistische Bundesamt, Verbraucherpreisindex für Berlin. Der durchschnittliche Mietpreisanstieg zwischen 1991 und 2001 betrug rund 30 Prozent.