3. Oktober 1990 Wiedervereinigung: was sich für Berlin praktisch änderte
Am 3. Oktober 1990 wurde Berlin wiedervereinigt: Was sich bei Telefon, Fahrkarten, Mietrecht und Bankkonten praktisch änderte.
3. Oktober 1990 Wiedervereinigung: Was Sich Für Berlin Praktisch Änderte
Am 3. Oktober 1990 um 00:00 Uhr trat die DDR der Bundesrepublik bei. Die Wiedervereinigung hatte für die Bewohner der Stadt sofort spürbare Folgen, die wenig mit politischer Rhetorik zu tun hatten. Zwei Telefonnetze, zwei Währungen, zwei Verkehrsbetriebe und zwei Polizeibehörden wurden über Nacht zu einem System zusammengezwungen. Das Provisorium hielt Jahre. Wer heute die Spuren dieser Zeit sucht, findet sie nicht an den großen Denkmälern, sondern in den banalen Alltagsänderungen, die dieser Text auflistet.
3. Oktober 1990 Berlin Folgen: Was Am Tag Des Beitritts Passierte
Am 3. Oktober 1990 um 00:00 Uhr hisste man die Bundesflagge vor dem Reichstagsgebäude. Die zentrale Feier fand auf dem Platz der Republik statt. Damit waren die 23 Bezirke Berlins (11 Ost, 12 West) formal vereint. Verwaltungstechnisch änderte sich sofort etwas: Der Magistrat des Ostteils und der Senat des Westteils wurden im Oktober 1990 zu einer gemeinsamen Landesregierung fusioniert. Die Volkspolizei und die Westberliner Polizei arbeiteten ab Oktober 1990 als eine Polizei Berlin. Wer am Morgen des 4. Oktober auf der Straße stand, sah dieselben Streifenwagen, aber die Dienststellen waren plötzlich gemeinsam besetzt. Das Grundbuchamt, bis dahin getrennt für Ost und West, wurde eins. Das bedeutete für Immobilienkäufe der Nachwendezeit enorme Verzögerungen. Die Bezirksfusion, die die 23 Bezirke auf 12 reduzierte, trat erst am 1. Januar 2001 in Kraft. Zehn Jahre lang gab es also drei Stadthälften mit 23 Verwaltungen.
Einheitsvertrag Berlin Auswirkungen: Der Vertrag Und Seine Alltagskonsequenzen
Der Einheitsvertrag wurde am 31. August 1990 im Ostteil der Stadt unterzeichnet und trat am 29. September 1990 in Kraft. Vier Tage später, am 3. Oktober, galt sein Regelwerk für Berlin. Die praktischen Auswirkungen waren messbar ab dem ersten Werktag. Hier die wichtigsten Änderungen im Überblick:
- Währung: Die Ostmark war ab 3. Oktober kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr. Die D-Mark galt überall. Geldautomaten im östlichen Stadtgebiet wurden umgerüstet. Wer noch Ostmark besaß, tauschte sie zu festgelegten Kursen bei Banken um. Der Umtausch war nicht unbegrenzt: Privatpersonen erhielten bis zu 4.000 Ostmark im Verhältnis 1:1, darüber zum Kurs 2:1.
- Mietrecht: Der Einheitsvertrag legte fest, dass das Mietrecht der Bundesrepublik ab 3. Oktober auch im Osten der Stadt galt. Mieten, die in Ostmark gezahlt wurden, waren sofort in D-Mark umzustellen. Die Umstellung führte zu einer Welle von Mietstreitigkeiten, weil viele Mieter im ehemaligen Ost-Berlin plötzlich das Dreifache zahlten. Die sogenannte Kappungsgrenze von 20 Prozent Erhöhung in drei Jahren wurde erst später eingeführt.
- Führerschein DDR: Der Führerschein der DDR blieb zunächst gültig. Lassen Sie ihn aber sofort umschreiben, die Frist endet am 31. Dezember 1990. Wer das versäumt, fährt ab Januar 1991 ohne gültige Fahrerlaubnis. Die Umschreibung kostet 20 D-Mark und erfordert ein Passbild.
Berlin Nach Der Wiedervereinigung: Telefon, Post Und Die Neue 030
Das geteilte Telefonnetz
Vor dem 3. Oktober 1990 gab es zwei getrennte Telefonnetze in Berlin. Wer vom Westen in den Osten telefonierte, wählte die Vorwahl 00372. In Gegenrichtung wählte man 030. Dieses System endete nicht am 3. Oktober 1990. Es zog sich hin. Die Vereinheitlichung der Telefonvorwahl auf 030 für das gesamte Stadtgebiet wurde erst 1993 abgeschlossen. Bis dahin brauchte man für Gespräche zwischen beiden Stadthälften weiterhin Sondervorwahlen. Das Fernmeldeamt der Deutschen Post (Ost) und die Landespostdirektion Berlin (West) fusionierten erst nach und nach. Beantragen Sie in dieser Zeit einen Telefonanschluss im Osten? Rechnen Sie mit bis zu zwei Jahren Wartezeit auf die Schaltung.
Die Postleitzahlen-Reform
Die Postleitzahlen änderten sich ebenfalls. Vor der Wiedervereinigung gab es für den Ostteil eigene Postleitzahlen (10xx bis 11xx), für den Westteil das System der 1xxx (1000 Berlin 12 bis 1000 Berlin 61). Die Zusammenführung auf das heute gültige fünfstellige System erfolgte am 1. Juli 1993. Wer zwischen Oktober 1990 und Juli 1993 Post verschickt, muss genau wissen, ob der Empfänger im alten Ost- oder Westteil liegt. Andernfalls landet der Brief beim jeweils anderen Postamt.
Mauerfall Bis Wiedervereinigung Berlin: Die Tage Dazwischen
Der Mauerfall am 9. November 1989 öffnete die Grenze, aber die Stadt blieb geteilt: Zwei Währungen, zwei Rechtssysteme, zwei Polizeibehörden. Die Tage zwischen dem 9. November 1989 und dem 3. Oktober 1990 waren ein Provisorium. Der Grenzübergang Bornholmer Straße, an dem die Mauer als erstes fiel, blieb bis zum 3. Oktober in Betrieb. Formal war er ein Grenzübergang zwischen zwei Staaten. Der Tränenpalast am Bahnhof Friedrichstraße, die Abfertigungshalle für Ausreisen aus der DDR, schloss erst mit der Wiedervereinigung seinen Betrieb. Wer in diesen Monaten von Ost nach West pendelt, braucht weiterhin ein Visum. Erst ab dem 1. Juli 1990, als die Wirtschafts- und Währungsunion in Kraft trat, fielen die Grenzkontrollen für den Personenverkehr weitgehend weg. Die Zollkontrollen für Waren blieben bis zum 3. Oktober bestehen.
Alltag Berlin 1990 Wiedervereinigung: Fahrkarten, Kennzeichen Und Bankkonten
Im Alltag der Berliner machten sich die Änderungen an kleinen, konkreten Details bemerkbar.
BVG West Und Ost: Zwei Verkehrsbetriebe, Ein Tarif
Vor dem 3. Oktober 1990 betrieben zwei Verkehrsbetriebe den Nahverkehr: die BVG im Westen und der BVB (Berliner Verkehrsbetriebe) im Osten. Fahrkarten waren nicht wechselseitig gültig. Kaufen Sie zwei Tickets, wenn Sie von Ost nach West fahren. Die Fusion der beiden Betriebe zur heutigen BVG erfolgte am 1. Januar 1992. Erst ab diesem Datum gilt ein einheitlicher Tarif und eine Fahrkarte für das gesamte Stadtgebiet. Bis dahin gab es Übergangstarife. Eine Monatskarte der BVG berechtigt nur zur Fahrt im Westen. Der Kauf einer Fahrkarte an einem Automaten im Ostteil erfordert bis 1992 andere Münzen als im Westen.
Kfz-Kennzeichen: Von DDR-Kürzeln Zum Bundesstandard
Vor der Wiedervereinigung trugen Fahrzeuge im Ostteil Kennzeichen mit den Buchstaben „I“ (für Berlin, DDR) und einer Ziffernfolge. Diese Kennzeichen verloren am 3. Oktober 1990 ihre Gültigkeit. Beantragen Sie bis zum 31. Dezember 1990 neue Kennzeichen mit dem Kürzel „B“ (für Berlin, Bundesrepublik). Die Kosten betragen 25 D-Mark. Die alten DDR-Kennzeichen sind ab Januar 1991 nicht mehr zulässig. Wer erwischt wird, zahlt ein Bußgeld von 50 D-Mark.
Bankkonten: Von Ostmark Auf D-Mark
Jeder, der ein Girokonto bei einer Bank im östlichen Stadtgebiet hat, erlebt am 3. Oktober 1990 die automatische Umstellung auf D-Mark. Die Kontonummern ändern sich, die Bankleitzahlen werden neu vergeben. Bargeldabhebungen sind in den ersten Tagen nach dem Beitritt nur eingeschränkt möglich, weil die Automaten umgerüstet werden müssen. Die Treuhandanstalt, die für die Privatisierung der DDR-Staatsbetriebe zuständig ist, eröffnet ab Oktober 1990 eigene Konten für die Abwicklung. Melden Sie als Unternehmen im ehemaligen Ost-Berlin Ihre Konten bei der Treuhand an, sonst verlieren Sie Ihre Geschäftsfähigkeit.
Brachfläche Potsdamer Platz Und Die Baustellen Der Nachwendezeit
Der Potsdamer Platz lag vor dem 3. Oktober 1990 in der Todeszone des Grenzstreifens. Nach dem Mauerfall war er eine Brachfläche, ein riesiges, leeres Areal mitten in der Stadt. Der Baubeginn für die Neubebauung erfolgte 1993. Die Eröffnung des Daimler-Chrysler-Quartiers fand am 2. Oktober 1998 statt. Wer heute über den Platz läuft, sieht kaum noch Spuren der Brache: Glasfassaden und Kaufhäuser dominieren. Die Infobox, ein temporärer Aussichtsturm, stand von 1995 bis 2000 auf dem Gelände und war ein Besuchermagnet. Sie zeigte den Baufortschritt. Die Berliner nannten sie „die größte Baustelle Europas“. Für Besucher der 90er-Jahre-Orte ist der Potsdamer Platz das Paradebeispiel dafür, wie schnell eine Brache zur glatten Neubaufläche werden kann. Und wie schwer es heute ist, die Leere von damals noch zu sehen. Planen Sie die Distanzen zwischen den verstreuten Relikten ein: Vom Potsdamer Platz bis zum Teufelsberg brauchen Sie 30 Minuten mit der S-Bahn plus Fußweg, bis zum Spreepark weitere 20 Minuten. Planen Sie mindestens drei Tage für eine Stadttour der 90er-Jahre-Orte ein.
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