Wo der Berliner Techno anfing: Tresor, E-Werk und Bunker in den Neunzigern
Tresor, E-Werk und Bunker: An diesen drei Orten in Berlin begann 1991 die Technokultur – zwei existieren noch, einer ist zum Museum geworden.
Wo Der Berliner Techno Anfing: Tresor, E-Werk Und Bunker in Den Neunzigern
Drei Adressen. Tresor, E-Werk, Bunker. Wer den Anfang der Berliner Technokultur verstehen will, sucht genau diese Orte auf, nicht die aktuelle Clubmeile. Die Frage Tresor E-Werk Bunker Berlin Techno Anfang beantwortet sich durch drei konkrete Standorte, die bis heute existieren, wenn auch in verwandelter Form. Alle drei liegen in Berlin-Mitte. Nicht nebeneinander. Planen Sie pro Ort mindestens zwei Stunden, plus Anfahrt. Was Sie heute sehen, ist die Hülle von Räumen, die zwischen 1991 und 1993 erstmals Sound in Keller und Bunker pumpten. Die Stadt war eine leere Sandwüste zwischen zwei einst getrennten Hälften, und der Puls schlug in fensterlosen Industriehöfen, nicht an Postkartenplätzen.
Tresor Leipziger Straße Keller
Der Tresor eröffnete am 13. März 1991 im Keller des ehemaligen Wertheim-Kaufhauses, Leipziger Straße 126-128. Genutzt wurde der eigentliche Tresorraum der Banketage. Heute steht an dieser Stelle die LP12 Mall of Berlin. Das originale Gebäude wurde 2005 abgerissen. Betreten Sie das Einkaufszentrum und suchen Sie im Untergeschoss nach Gedenktafeln oder Hinweisen. Die sind spärlich. Der Club zog 2007 in die Köpenicker Straße 70, in ein ehemaliges Heizkraftwerk. Der Zweitstandort ist noch aktiv. Betreibergesellschaft: Tresor Berlin GmbH, Geschäftsführer Dimitri Hegemann.
Was heute zu sehen ist
An der Erst-Adresse sehen Sie nichts vom originalen Kellerclub. Die Mall of Berlin überbaut den gesamten Block. Einziger Hinweis: die Hausnummer Leipziger Straße 126a ist in den Eingangsbereich integriert. Für die echte Atmosphäre müssen Sie zum Zweitstandort. Der Tresor an der Köpenicker Straße öffnet donnerstags bis samstags, die Türpolitik bleibt strikt. Bargeldpflicht. Einlass kostet zwischen 15 und 25 Euro, je nach Line-up. Kartenzahlung ist nicht möglich. Kommen Sie vor 23:30 Uhr. Sonst stehen Sie 60 Minuten an der Schlange.
E-Werk Wilhelmstraße Techno
Das E-Werk in der Wilhelmstraße 43 war von 1993 bis 1997 der Techno-Tempel im ehemaligen Umspannwerk, Baujahr 1885 bis 1889. Die Adresse liegt direkt im Regierungsviertel. Damals war das eine Industriebrache. Heute ist das Gebäude umgebaut zu Veranstaltungs- und Büroflächen, betrieben von der E-Werk Veranstaltungs GmbH. Sie betreten das Gebäude nur zu gebuchten Events. Prüfen Sie die Website der E-Werk Veranstaltungs GmbH: Findet eine Ausstellung, ein Konzert oder eine Lesung statt? Ohne Termin stehen Sie vor verschlossener Tür.
Die historische Postkarte
Das E-Werk brachte Techno ins West-Berlin-Bewusstsein. Die Decken waren 12 Meter hoch, das Umspannwerk lieferte die Rohheit. Vergleichen Sie die Fassade heute mit Fotos von 1993: Die Backsteine sind saniert, die Fenster sind drin, die Graffiti sind weg. Der Club schloss 1997. Da waren die Eigentumsverhältnisse nach Auflösung der Treuhandanstalt geklärt und die Miete stieg von 1 bis 5 DM pro Quadratmeter auf Marktniveau. Das Ende der Zwischennutzung. Wenn Sie hineinwollen, zahlen Sie 10 bis 30 Euro für Eventtickets. Buchen Sie vorab. Karten an der Abendkasse sind selten.
Bunker Mitte Boros Sammlung
Der Bunker in der Reinhardtstraße 20 ist ein Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Von 1992 bis 1996 war er Club. Danach Party- und Kunstort unter wechselnden Namen. Heute beherbergt er die Boros-Sammlung, eine private Kunstsammlung. Der Bunker steht auf dem Gelände des Neubaukomplexes des Jakob-Kaiser-Hauses, einem Bundestagsgebäude. Sie betreten den Bunker nur im Rahmen einer geführten Tour der Boros-Sammlung. Die Touren sind extrem limitiert. Buchen Sie Monate im Voraus. Das ist kein Witz. Die Wartezeit beträgt drei bis sechs Monate. Die Tour kostet 18 Euro. Sie dauert 90 Minuten. Keine Fotos im Innenraum.
Was Sie im Bunker sehen
Die rohe Betonstruktur des Hochbunkers ist vollständig erhalten. Die weißen Ausstellungsräume sind in die Zellen eingebaut. Sie sehen die Denkmalschutz-Auflagen: die dicken Wände, die niedrigen Decken, die Luftschächte. In einem Raum hängt eine Arbeit von Olafur Eliasson, in einem anderen eine von Ai Weiwei. Das ist kein Club mehr. Ein White Cube in einem grauen Betonblock. Der Off-Location-Charakter ist spürbar. Bekommen Sie keine Tour, bleiben Sie draußen vor der Tür und lesen die Informationstafel am Zaun. Mehr geht nicht.
Berliner Techno Ursprung 90er
Der Berliner Techno Ursprung 90er ist nicht an einem Ort zu finden, sondern in drei dezentralen Brachen. Hinzu kam der Planet-Club in der Köpenicker Straße 68, 1991 bis 1993, heute überbaut. Und der KitKatClub an der Brückenstraße, der die Sex-Positive-Technokultur prägte. Alle diese Orte funktionierten als Zwischennutzung auf Treuhand-Grundstücken. Die Treuhandanstalt, gegründet am 17. Juni 1990, aufgelöst am 31. Dezember 1994, vergab befristete Zwischennutzungsverträge mit kurzen Kündigungsfristen. Der Mietpreis lag bei 1 bis 5 DM pro Quadratmeter. Das war die ökonomische Basis der Subkultur. Ohne diese Billigflächen kein Techno.
Die Route für einen Tag
Beginnen Sie am Tresor-Zweitstandort Köpenicker Straße 70. U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße, 10 Minuten Fußweg. Von dort zur Wilhelmstraße 43, U-Bahnhof Potsdamer Platz, 15 Minuten U-Bahn. Dann zur Reinhardtstraße 20, U-Bahnhof Hauptbahnhof, 10 Minuten zu Fuß. Dazwischen liegen 45 Minuten reine Fahrtzeit. Öffnet der Tresor erst abends, kehren Sie die Route um: Bunker morgens, E-Werk mittags, nur bei Event, Tresor abends. Der Kellerclub-Charakter des Tresor deckt als einziger die Nacht ab.
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