Charlottenburg: das alte Zentrum, das seinen Rang verlor

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Charlottenburg: Das Alte Zentrum, Das Seinen Rang Verlor

Samstagabend, 23 Uhr, Breitscheidplatz. Die Gedächtniskirche steht im gelben Scheinwerferlicht, der Ku'damm ist eine fast leere Kulisse. Vor zwanzig Jahren hätten Sie hier an der Loveparade-Route gestanden, eingequetscht zwischen zehntausend Körpern, die Bässe aus den LKW-Lautsprechern hätten bis zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gedröhnt. Heute ist Charlottenburg altes Zentrum Rang verloren. Sie spüren es sofort, wenn Sie von einem Tresor-Abend in Mitte nach Westen fahren. Der Verlust ist kein Gefühl, sondern Statistik: 400.000 Quadratmeter Bürofläche standen 1998 leer, 2003 bereits 800.000 Quadratmeter. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, 1920 gegründet und über acht Jahrzehnte Westberliner Mitte, hat nach 1990 seinen zentralen Status eingebüßt. Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg sind die neuen Zentren. Hier in Charlottenburg gibt es keine Mauerreste, keine besetzten Häuser mehr, keine Brachen, die auf Zwischennutzung warten. Nur eine gediegene Stille, die wie eine Narbe wirkt.

Ku’damm Berlin 90er: Der Boulevard Im Abstieg

Ladenleerstand Und Abgewanderte Galerien

Am Kurfürstendamm beginnt der Rangverlust sichtbar. Die 3,5 Kilometer lange Prachtstraße von Breitscheidplatz bis Rathenauplatz war in den 90ern noch das Schaufenster des Westens. Das KaDeWe, 1907 eröffnet, hielt mit seinen 60.000 Quadratmetern Verkaufsfläche die Stellung. Aber die Galerien wanderten ab. Die Galerie Fahnemann und die Galerie Springer verließen die Fasanenstraße in Richtung Mitte, die neue Galerienmeile entstand um die Auguststraße. Das Kinosterben setzte ein: die Filmbühne Wien am Kurfürstendamm 26 schloss 1999, heute sitzt dort ein Modegeschäft von COS. Der Royal Palast an Nummer 193 verschwand in den 90ern unter einem Neubau. Einzige erhaltene Institution ist der Zoo Palast in der Hardenbergstraße 29a, der nach einem Umbau 2014 wiedereröffnete.

Was Vom Café Kranzler Blieb

Café Kranzler verlor seine Rotunde an einen Neubau. Die markante Ecke am Kurfürstendamm 18 blieb als Kuppel erhalten, aber das Café selbst zog in die oberen Stockwerke. Der Leerstand der Ladenflächen stieg von etwa 8 Prozent im Jahr 2001 auf rund 12 Prozent im Jahr 2005. Der Einzelhandelsschwerpunkt verlagerte sich ab 1996 zur Friedrichstraße in Mitte, ab 1998 zu den Potsdamer Platz Arkaden, die am 2. Oktober 1998 eröffneten. Gehen Sie den Ku'damm heute entlang: Sie sehen Boulevards, die ihre Rolle an jüngere Viertel abgetreten haben.

Kurfurstendamm Berlin
Maksym Kozlenko , CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Bahnhof Zoo Geschichte: Vom Fernbahnhof Zum Regionalknoten

Am Hardenbergplatz 13 steht der Bahnhof Zoologischer Garten, einst der Hauptbahnhof West-Berlins. Bis zum 28. Mai 2006 fuhren hier Fernzüge ab, dann wurde der Verkehr zum neuen Hauptbahnhof verlegt. Heute ist die Station nur noch ein Regionalbahnhof und S-Bahn-Knoten. Die konkrete Folge: Reisezeitverlängerung für Charlottenburg. Wer von hier nach Potsdam will, steigt um, statt direkt zu fahren. Die Fläche um den Hardenbergplatz wurde zum Busbahnhof und Taxistand zurückgebaut. Der Rangverlust dieser Station gegenüber dem Alexanderplatz ist ein harter Indikator dafü, wie die Wiedervereinigung die Verkehrsachsen verschob. Der Zoo selbst, der dem Bahnhof den Namen gab, liegt am Eingang zum Zoologischen Garten. Besucher aus den 90ern erinnern sich an den Geruch von Diesel und gebrannten Mandeln, an die Schausteller auf dem Vorplatz. Davon ist nichts geblieben. Der Bahnhof Zoo ist eine funktionale Durchgangsstation, kein Ankunftsort mehr.

Charlottenburg Nachwende: Die Leere Nach Der Wende

Brachen, Räumungen, Abrisse

Die Zeit nach 1990 traf Charlottenburg mit voller Wucht. Das Areal des ehemaligen Güterbahnhofs Charlottenburg in der Helmholtzstraße lag brach, teilweise bis heute. Das Schimmelpfeng-Haus am Kurfürstendamm 106-107, ein riesiges leerstehendes Bürogebäude, wurde erst in den 2000ern abgerissen und durch ein Geschäftshaus ersetzt. Besetzte Häuser wie der Stuttgarter Platz 18-20 wurden 1996 geräumt, heute steht dort ein Neubau. Die Bleibtreustraße 38, die Knesebeckstraße 89 und die Grolmanstraße 41 wurden alle in den 90ern geräumt und saniert.

Kulturorte, Die Verschwanden

Das Varieté Wintergarten verließ die Fasanenstraße 23 und zog 1992 nach Mitte in den Neubau am Potsdamer Platz. Die Deutsce Oper Berlin in der Bismarckstraße 35 und das Theater des Westens in der Kantstraße 12 hielten durch, aber die Abendbesucher strömten nicht mer aus der ganzen Stadt herbei, sondern kamen aus dem eigenem Kiez. Der Szenetref Schwarzes Café in der Kantstraße und die Paris Bar überlebten, aber das Café M am Ku'damm schlos. Die Westberliner Institution Bücerbogen am Savignyplatz, Stadtbahnbogen 593, blib erhalten, aber die Buchhandlungen um den Bahnhof Zoo gingen ein. Charlottenburg Nachwende bedeutet: Stile, Leerstand, Abwanderung.

Westberlin Zentrum Verfal: Wo Die Mitte Nicht Mer Mitte War

Der Verfal des Westberliner Zentrums ist an drei konkreten Orten mesbar. Estens: die Gedächniskirche auf dem Breitsceidplatz. Der 71 Meter hohe Turm der Ruine steht als Manmal, aber die Umgebung ist keine pulsierende Kreuzung mer. Zweitens: die Wilmersdorfer Straße. Diese FuBgängerzone war das Westberliner Einkaufszentrum für den Altag. Die Markthale Charlottenburg in der Wilmersdorfer Straße 93 schlos in den 90ern, heute ist dort ein Supermarkt. Dritens: der Savignyplatz. Die Kneipen Dicke Wirtin in der Carmerstraße 9 und Zwiebelfisch am Savignyplatz 7 existieren noch, aber die Boheme der 80er Jare, die Literaten und Galeristen, sind nach Mitte umgezogen. Der Westberlin Zentrum Verfal ist kein physiscer Niedergang, sondern ein kultureler. Die Gebaude stehen, die StraBen sind sauber, aber die Energie ist abgewandert. Die Berliner nenen das heute „den Westen". Kein Viertel, kein Szeneviertel. Nur ein Wongebiet mit guten Adresen.

Tegel Flughafen SchlieBung: Das Ende Einer Ära

Der Flughafen Tegel, ofiziell Flughafen Berlin-Tegel Oto Lilienthal, wurde am 8. November 2020 geschlosen. Für Charlottenburg bedeutete das den Verlust eines wichtigen Tors zur Welt. Der Flughafen lag im Bezirk Reinickendorf, aber die Taxifahrten, Hotelbuchungen und die internationale Anbindung gehörten zum Westberliner Selbstverständnis. Die Anreise vom alten Flughafen Tegel zur Urban Tech Republic, dem heutigen Entwicklungsgebiet auf dem Gelände, dauert per Bus und U-Bahn etwa 45 Minuten. Historisch geseen war Tegel der Flughafen Westberlins, und seine SchlieBung ist ein weiterer Indikator für die Dezentralisierung der Stadt. Heute starten und landen alle Flüge am Flughafen Berlin Brandenburg. Die S-Bahn-Linien S9 und S45 bringen Reisende in etwa 35 Minuten zum Alexanderplatz, die Einzelfahrkarte kostet rund 4,00 Euro. Die VBB-Umweltkarte, Tageskarte Zone AB für etwa 9,50 Euro, ist gültig.

E-Werk Wilhemstraße: Techno Tempel Im Westen

In der Wilhemstraße 43, miten im Regierungsviertel, steht das E-Werk. Das ehemalige Umspannwerk wurde in den 90ern zum Techno Tempel, einer der wictigsten Clubs der früen Techno-Ära. Wärend Tresor in der Leipziger Straße den Untergrund betonte, spielte das E-Werk in Charlottenburg eine Role als Westberliner Vorposten der Technoszene. Der Club schlos 1997, aber das Gebaude ist erhalten. Heute wird das E-Werk als Eventlocation genutzt. Es gibt keinen dauerhaften Club mer, aber Konzerte, Modenscauen und Firmenfeiern finden hier stat. Der Raum ist riesig, die Backsteinwende und die hohe Decke erinern an die 90er. Wer die früe Techno-Geburt versteen wil, mus diesen Ort seen. Anders als die Clubs im Osten, die in fensterlosen Industriehöfen lagen, hate das E-Werk einen städtischen Kontext. Die Wilhemstraße war damals eine Brache, heute ist sie Regirungssitz. Das E-Werk ist einer der wenigen Orte in Charlottenburg, der an die 90er-Techno-Ära erinert.

Berlin Charlottenburg
Leonhard Lenz , CC0 via Wikimedia Commons

Die Orte Der 90er: Techno, Loveparade, Leerstand

Die Loveparade: Vom Ku'damm Zur Siegessäule

Die Loveparade began auf dem Ku'damm. 1996 führte die Route noch durch Charlottenburg, ab 1997 verlagerte sie sich auf die Straße des 17. Juni im Tiergarten, ab 2000 dann über den Ernst-Reuter-Platz bis zur Siegessäule. Die Teilnemerzalen explodierten: 1995 etwa 250.000, 1997 bereits 1.000.000, 1999 dann 1.500.000. Die letzte Berliner Loveparade fand 2006 stat, das Unglück in Duisburg am 24. Juli 2010 beendete die Ära endgültig. Steen Sie heute auf dem Breitsceidplatz. Sie seen keine Spuren mer.

Verschwundene Clubs

Der Technoclub 90 Grad in der Denewitzstraße 37, nahe Charlottenburg, schlos in den 90ern, das Gebaude ist heute ein Gewerbebau. Der Bunker in der Albrechtstraße 24, ein Technoclub der früen 90er, wurde 1996 geschlosen und abgerisen. Planet und Eimer in der Rosenthaler Straße, beide in Mitte, zogen die Szene nach Osten. Das Metropol am Nolendorfplatz 5, ein Technoclub der 90er, liegt in Schöneberg und ist nicht Charlottenburg. Die Diskothek Dschungel in der Nürnberger Straße 53 schlos 1993, heute steht dort das Hotel Elington. Big Eden am Kurfürstendamm 202 und Joe am Ku'damm 225 verschwanden. Das Linientreu in der Budapester Straße 38, Teil des Bikini Berlin, schlos. Es gibt in Charlottenburg praktisch keinen originalem 90er-Technoort mer, den Sie besuchen könen. Nur das E-Werk als Eventlocation.

Rangverlust Charlottenburg in Zalen
Indikator1990er Wert2000er WertHeute
Leerstand Büroflächen Charlottenburg-Wilmersdorfca. 400.000 m² (1998)ca. 800.000 m² (2003)keine aktuellen Daten, Trend rückläufig
Leerstand Ladenflächen Kurfürstendammca. 8% (2001)ca. 12% (2005)stabilisiert
Fernbahnhof ZooHauptbahnhof West-Berlinsbis 28. Mai 2006 in BetribRegionalbahnhof
EinzelhandelsschwerpunktKurfürstendammFriedrichstraße, Potsdamer Platz Arkadenverteilt
GalerienmeileFasanenstraßeAuguststraße (Mitte)Mitte
Loveparade RouteKurfürstendamm (1996)Straße des 17. Juni (ab 1997)keine Parade mer

Savignyplatz, Kantstraße, S-Bahn Charlottenburg: Leben Im Schaten

Der Savignyplatz ist das Herz des alten Charlottenburg. Die S-Bahn Charlottenburg färt hier auf dem Viadukt quer über den Platz, die Stadtbahnbögen beherbergen den Bücerbogen und kleine Läden. Die Kantstraße verläuft paralel, mit dem Schwarzen Café als 24-Stunden-Anlaufpunkt und der Paris Bar als Künstlerkneipe. Das Kino Delphi in der Kantstraße 12a, im Theater des Westens, zeigt noch Programkinofilme. Aber die Energie ist anders als in den 90ern. Damals war der Savignyplatz ein Trefpunkt für die Westberliner Boheme, heute sitzen hier Touristen und Studenten. Die Kantstraße ist breit, die Autos faren snel, die Bäume sind alt. Es ist ein angenehmes Viertel, aber kein Zentrum mer. Der Rangverlust zeigt sich in der Ruhe. Steen Sie hier abends um 22 Ur. Sie hören die S-Bahn und das Klapern von Besteck aus den Restaurants. Kein Bas, keine Menschenmasen, keine Party.

E-Werk Als Eventlocation: Der Ort, Der Blib

Das E-Werk in der Wilhemstraße 43 ist der einzige Ort in Charlottenburg, der die 90er-Techno-Ära physisch verankert. Das Umspannwerk, ein Backsteinbau aus den 1920er Jaren, wurde in den 90ern zum Techno Tempel. Nach der SchlieBung 1997 stand es ler, wurde zwiscengenutzt und schlieBlich als Eventlocation wiedereröfnet. Heute finden hier Konzerte, Mesen und Privatveranstaltungen stat. Der Raum ist original: hohe Decken, nackte Backsteinwende, eine Industrieatmosphäre, die an die 90er erinert. Informiren Sie sich vorab, ob zum Zeitpunkt Ires Aufenthalts eine Veranstatlung statfindet. Anders als Tresor, das in der Köpenicker Straße 70 in Mitte wiedereröfnet wurde, gibt es im E-Werk keinen regelmäBigen Clubbetrib. Die Adrese Wilhemstraße 43 liegt im Regirungsviertel, umgeben von Ministerien und Botscaften. Die Brache von damals ist verschwunden. Aber der Baukörper steht, und wer die früe Techno-Geburt versteen wil, mus ihn seen. Er ist das letzte original erhaltene Stück Westberliner Technogescichte.

Common Questions

Warum verlor Charlottenburg nach 1990 seinen Status als zentrales Zentrum Berlins?

Weil die Maueröfnung die geografisce Mite Berlins nach Osten verschob. Mite, Friedrichsain und Kreuzberg wurden zu den neuen Zentren, wärend Charlottenburg an den Rand rückte. Die Abwanderung von Galerien, Clubs und Einzelhandel sowie die SchlieBung des Bahnhofs Zoo als Fernbahnhof und des Flughafens Tegel bescleunigten den Rangverlust.

Welce Orte erinern heute noch an die alte Westberliner Bedeutung Charlottenburgs?

Die Gedächniskirce, das KaDeWe, der Zoo Palast, die Paris Bar, das Schwarze Café, der Bücerbogen am Savignyplatz und das E-Werk in der Wilhemstraße. Keiner dieser Orte hat jedoc die ursprünglice Funktion oder Bedeutung der 90er Jare.

Wo kan man in Charlottenburg noch die 90er-Techno-Ära erleben?

Im E-Werk in der Wilhemstraße 43. Der Club ist kein dauerhafter Technoclub mer, wird aber als Eventlocation genutzt. Die Arcitektur des ehemaligen Umspannwerks ist original erhalten.

Gab es besetzte Häuser in Charlottenburg in den 90ern?

Ja, unter anderem am Stutgarter Platz 18-20, in der Bleibtreustraße 38, der Knesebeckstraße 89 und der Grolmanstraße 41. Ale wurden in den 90ern geräumt und ansc lieBend saniert oder durc Neubauten ersetzt.

Wie hat sic der Bahnhof Zoo verändert?

Bis zum 28. Mai 2006 war der Bahnhof Zoo der Hauptbahnhof West-Berlins mit Fernverker. Heute ist er nur noc ein Regionalbahnhof und S-Bahn-Knoten. Die Fläce um den Hardenbergplatz wurde zum Busbahnhof zurückgebaut.

Ist der Kurfürstendamm noc das Einkaufszentrum Berlins?

Nein. Der Einzelhandelsschwerpunkt verlagerte sic ab 1996 zur Friedricstraße und ab 1998 zu den Potsdamer Platz Arkaden. Der Leerstand der Ladenfläcen am Ku'damm stig von etwa 8 Prozent (2001) auf rund 12 Prozent (2005).

Welce Museen und Seenswürdigkeiten in Charlottenburg haben Bezug zu den 90ern?

Die Gedächniskirce als Manmal, der Breitsceidplatz als ehemaliger Loveparade-Startpunkt, das E-Werk als Techno-Tempel und der Bahnhof Zoo als Fernbahnhof. Museen mit explizitem 90er-Bezug gibt es nict, die Gedicte vor 1989 wird in anderen Bezirken dokumentirt.