Tresor oder E-Werk oder Bunker: Welcher Berliner Club der 90er was war

Berlin techno club
Singlespeedfahrer , CC0 via Wikimedia Commons

Tresor, E-Werk Oder Bunker: Drei Clubs, Drei Welten

Die Frage, welcher der drei Berliner Techno Clubs der 1990er der prägendste war, führt direkt ins Zentrum der Debatte um die Berliner Clubkultur der 1990er. Die Antwort ist keine Frage des Geschmacks, sondern eine des Standorts, des Sounds und des Publikums. Jeder dieser Clubs besetzte eine eigene Nische in der wilden, unfertigen Stadtlandschaft des Nachwende-Berlin.

Berlin war in den 1990ern ein einziges, riesiges Provisorium: roh, unfertig, bezahlbar und voller Lücken, in die sich Clubs, besetzte Häuser und wilde Projekte setzten. Die berühmte „wilde Zeit“ ist heute nicht mehr flächendeckend spürbar, sondern punktuell und hinter glatten Neubauten versteckt. Wer auf den Spuren der 90er-Jahre-Ästhetik unterwegs ist, muss die räumlichen Zusammenhänge der Transformation lesen können. Sonst sieht man nur gesichtslose Neubauten und Baustellen.

Tresor, E-Werk Und Bunker Im Direkten Vergleich
MerkmalTresor (Leipziger Straße)E-WerkBunker
AdresseLeipziger Straße 126a, 10117 BerlinWilhelmstraße 43, 10117 BerlinAlbrechtstraße (heute nicht mehr als Club existent)
Gründungsjahr199119931994 (als Club; vorher Bunkeranlage)
OrtstypKeller eines ehemaligen Kaufhauses (Wertheim)Ehemaliges UmspannwerkEhemaliger Luftschutzbunker, roher Beton
SoundDetroit Techno, Hardcore, AcidTrance, Progressive House, TechnoHardcore, Gabber, extrem härtere Beats
PublikumSubkultur, Underground, internationalGemischt, Loveparade-affin, größerHardcore-Szene, extrem, jung
Ende16.04.2005 (Umzug an andere Adresse)24.07.1997 (als Technoclub)1996 (Schließung nach Tekknozid)
Heutige NutzungBürogebäude (Leipziger Straße)Veranstaltungsort (E-Werk Berlin)Heute: Veranstaltungsort (Bunker Berlin)

Tresor Club Berlin: Geschichte, Sound Und Standort

Der Tresor Club Berlin eröffnete 1991 im Keller des ehemaligen Kaufhauses Wertheim in der Leipziger Straße 126a. Der Ort war programmatisch: ein Tresor Keller, ein Gewölbe aus Stahlbeton, das den Sound der Stadt einfing. Hier spielte man Detroit Techno, Hardcore und Acid. Der Tresor war die Brücke zwischen Detroit und Berlin. Die Verbindung zu Labels wie Hard Wax und Basic Channel war direkt. Die Plattenläden und Produzenten der Basic-Channel-Familie versorgten den Club mit dem Sound, der die Berliner Clubkultur der 1990er definierte.

Was Heute an der Leipziger Straße Steht

Das Grundstück Leipziger Straße 126a wird von einem Bürogebäude genutzt. Der Tresor Keller ist nicht mehr betretbar. Wer die Adresse sucht, findet einen glatten Neubau. Die 90er-Jahre-Ästhetik ist hier nicht mehr erkennbar. Der Club zog 2007 an die Köpenicker Straße 70 um, in das ehemalige Heizkraftwerk, das als Kraftwerk Berlin bekannt ist. Dort ist der Tresor weiterhin als Technoclub in Betrieb, betreibt Tresor Records und bietet Ausstellungsfläche. Besuchen Sie den aktuellen Standort an der Köpenicker Straße 70. Der ursprüngliche Keller an der Leipziger Straße lohnt den Umweg nicht.

E-Werk Berlin Club 90er Und Bunker Berlin Club 90er

Das E-Werk Berlin Club 90er öffnete 1993 in der Wilhelmstraße 43, in einem ehemaligen Umspannwerk aus den Jahren 1885 bis 1889. Der Großraum des Gebäudes erlaubte eine andere Clubkultur als der enge Keller des Tresors. Hier dominierte Trance, Progressive House und Techno. Das Publikum war gemischt und Loveparade-affin, die Dimensionen größer. Das Ende als Technoclub kam am 24.07.1997. Heute dient das Gebäude als Veranstaltungsort für Konzerte, Events und Messen. Buchen Sie Tickets für eine Veranstaltung im E-Werk Berlin. Nur so betreten Sie das Gebäude. Ohne Event kommen Sie nicht hinein.

Der Bunker: Härtester Sound in Rohem Beton

Der Bunker Berlin Club 90er besetzte eine andere Nische. In der Albrechtstraße, in einem rohen Betonbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, wurde ab 1994 der härteste Sound gespielt: Hardcore und Gabber. Der Bunker war der Gegenentwurf zum kommerzielleren E-Werk. Der Club fiel dem Tekknozid zum Opfer, einer massiven Polizeiaktion gegen die Technoszene, und schloss 1996. Heute ist der Bunker als Veranstaltungsort für Kunst und Events wieder geöffnet. Der rohe Beton ist geblieben. Prüfen Sie das Programm des Bunker Berlin vor Ihrer Reise. Die Öffnungszeiten sind unregelmäßig und an Events gebunden.

Berlin nightclub 1990s
Seth Tisue , CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons

Worth it if

  • Tresor: Authentischster Ort für Detroit Techno und Basic Channel Sound. Der Tresor Keller an der Leipziger Straße war der Ursprungsort der Berliner Techno Szene. Heute an der Köpenicker Straße 70 betretbar.
  • E-Werk: Bester Ort für die großräumige Clubkultur der Loveparade Ära. Das ehemalige Umspannwerk bietet Veranstaltungen in historischem Ambiente. Kaufen Sie Tickets im Voraus.
  • Bunker: Einzigartiger Ort für rohen Hardcore und Gabber Sound. Der Bunker Berlin ist ein Ort der Kunst und Erinnerung an die extremste Phase der 90er Clubkultur. Die Adresse Albrechtstraße ist ein zentraler Punkt der Berliner Clubkultur der 1990er.
  • Alle drei Orte sind in unterschiedlicher Form betretbar oder als Adresse auffindbar. Die Distanzen zwischen den verstreuten 90er Relikten sind groß. Planen Sie drei Tage für die Spurensuche ein.

Skip it if

  • Tresor (Leipziger Straße): Der ursprüngliche Standort ist nicht mehr betretbar. Ein Bürogebäude steht an der Stelle des Tresor Kellers. Überspringen Sie diese Adresse und fahren Sie direkt zur Köpenicker Straße 70.
  • E-Werk: Der Club der 90er ist Geschichte. Die heutigen Veranstaltungen haben wenig mit der Techno Ära zu tun. Die Wilhelmstraße 43 ist ein Ort für Events, nicht für Clubkultur.
  • Bunker: Der Bunker Berlin ist kein Club mehr. Der harte Sound der 90er ist einer musealen Nutzung gewichen. Die Türpolitik der 90er ist nicht mehr erlebbar.
  • Suchen Sie kein homogenes Altstadtbild. Die 90er Jahre Ästhetik ist nur auf den zweiten Blick lesbar. Baustellenlärm und Kräne dominieren das Bild ehemaliger Brachen.