Die Reichstag Verhüllung 1995 von Christo und Jeanne-Claude und was davon in Berlin noch sichtbar ist

Im Juni 1995 verhüllten Christo und Jeanne-Claude den Berliner Reichstag. Was ist von der Aktion heute am Platz der Republik noch zu sehen?

Wrapped Reichstag Christo
joho345 , Public domain via Wikimedia Commons

Die Reichstag Verhüllung 1995 Und Was Heute Davon Übrig Ist

Sie kommen zum Platz der Republik und erwarten, die berühmte Verhüllung sei noch irgendwie sichtbar. Sie ist es nicht. Von dem Kunstwerk selbst blieb nichts. Die Verhüllung war ein ephemeres Projekt, das genau 14 Tage existierte, vom 24. Juni bis zum 7. Juli 1995. Was heute bleibt, sind indirekte Spuren an drei Orten im Regierungsviertel. Wer diese kennt, liest den Kontrast zwischen dem temporären Kunstwerk und der heutigen Dauerbebauung des Spreebogens.

Christo und Jeanne-Claude umhüllten das Gebäude mit 100.000 Quadratmetern silbernem, aluminisiertem Polypropylen-Gewebe. Gebunden wurde das Material mit 15,6 Kilometern blauer Kordel von 3,2 Zentimetern Durchmesser. Das Gewebe wog rund 60 Tonnen. Fünf Millionen Menschen kamen in diesen zwei Wochen. Unmittelbar nach dem Abbau begann der Umbau zum Plenarsaal durch Norman Foster. Der Bundestag zog 1999 ein.

Christo Und Jeanne-Claude Berlin: Die Vorgeschichte Der Verhüllung

Die erste Idee hatte Christo bereits 1971. Drei Anträge auf Genehmigung scheiterten. Erst die Bundestagsdebatte am 25. Februar 1994 brachte die Wende: 292 Ja-Stimmen, 223 Nein-Stimmen, 9 Enthaltungen. Bundeskanzler Helmut Kohl, Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und Bundespräsident Roman Herzog waren zu diesem Zeitpunkt im Amt. Das Genehmigungsverfahren dauerte 23 Jahre.

Die Finanzierung trugen die Künstler vollständig selbst durch den Verkauf von Zeichnungen und Modellen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf etwa 13 Millionen D-Mark. 90 Kletterer und 120 Monteure montierten das Gewebe. Der verhüllte Reichstag war kein Protest, keine politische Aktion und keine Dauerinstallation. Reine Verhüllungskunst, die nach 14 Tagen verschwand.

Verhüllter Reichstag Juni 1995: Was Am Ort Der Aktion Geschah

Am 24. Juni 1995 fiel die Hülle. Das aluminisierte Polypropylen-Gewebe reflektierte das Sonnenlicht und veränderte seine Farbe je nach Tageszeit und Wolkenstand. Der Platz der Republik war während der 14 Tage eine Fußgängerzone. Fünf Millionen Menschen kamen. Es gab keine Absperrungen, die das Gebäude von den Leuten trennten. Sie konnten das Gewebe berühren, die Spannung der blauen Kordel spüren und unter dem Überhang des Stoffs hindurchgehen.

Die Entscheidung des Bundestags, das Projekt zu erlauben, war eng verwoben mit dem politischen Neubeginn nach der Wiedervereinigung. Das Gebäude selbst war vor der Verhüllung eine Ruine mit provisorischer Nutzung, ohne Kuppel. Die Verhüllung markierte einen symbolischen Schlusspunkt unter der Nachwendezeit und den Startpunkt für den Umbau zum modernen Parlamentssitz.

Wrapped Reichstag Berlin: Drei Orte Mit Spuren Der Verhüllung

Drei konkrete Stellen im Regierungsviertel verweisen noch auf die Aktion von 1995. Ohne sie wirkt der Platz der Republik wie eine reine Regierungsfläche ohne Geschichte.

Souvenirstücke Im Paul-Löbe-Haus

Im Foyer des Paul-Löbe-Hauses, das zum Band des Bundes gehört, liegen originale Gewebefragmente in einer Vitrine. Sie sind dort seit der Eröffnung des Gebäudes 2001 ausgestellt. Dazu hängen Dokumentationsfotos der Installation. Der Zugang ist kostenfrei, erfordert aber eine Registrierung am Empfang mit einem gültigen Ausweisdokument. Geöffnet ist werktags von 8 bis 18 Uhr. Planen Sie 15 Minuten für die Sicherheitskontrolle ein.

Dokumentationsfotos Am Eingang Der Reichstagskuppel

Im Untergeschoss des Reichstagsgebäudes, direkt am Zugang zur Kuppel, hängt eine Ausstellung mit Fotografien der Verhüllung. Die Bilder zeigen die Montage, die 14 Tage und den Abbau. Der Besuch der Kuppel ist kostenfrei. Sie müssen sich jedoch auf der Website des Bundestags anmelden. Ohne Reservierung kein Einlass. Wer nicht bucht, steht vor verschlossenen Türen.

Der Leere Raum Auf Dem Platz Der Republik

Der Platz der Republik selbst ist der dritte Ort. Die Rasenfläche vor dem Reichstagsgebäude war 1995 vollständig mit dem Gewebe bedeckt. Heute ist sie eine offene Wiese, genutzt von Touristen und Berlinern. Die 60 Tonnen Gewebe und die 15,6 Kilometer Kordel sind verschwunden. Wer den Kontrast verstehen will, sieht sich zuerst die historischen Fotos in der Vitrine im Paul-Löbe-Haus an und tritt dann auf den Rasen. Das Nichts an dieser Stelle ist der präziseste Hinweis auf die Vergänglichkeit des Kunstwerks.

Reichstag Verhüllung Fotos: Wo Sie Die Bilder Heute Sehen

Die originale fotografische Dokumentation von Wolfgang Volz, dem offiziellen Fotografen von Christo und Jeanne-Claude, ist an zwei Orten im Regierungsviertel öffentlich zugänglich.

Erster Ort ist die Dauerausstellung „Wege, Zeit und Räume“ im Deutschen Bundestag. Sie zeigt 15 großformatige Abzüge der Verhüllung. Die Ausstellung ist im Nordflügel des Reichstagsgebäudes untergebracht und kann im Rahmen der Kuppelbesichtigung kostenfrei besucht werden. Zweiter Ort ist das Paul-Löbe-Haus, wo eine kleinere Auswahl der Fotos zusammen mit den Gewebefragmenten gezeigt wird.

Die Fotos zeigen das aluminisierte Gewebe bei strahlendem Juni-Sonnenlicht, bei bedecktem Himmel und in der Dämmerung. Ein Bild hält den Moment fest, als das Gewebe am ersten Tag über die Fassade gezogen wurde. Ein anderes zeigt die Menschenmenge auf dem Platz der Republik am 7. Juli 1995, dem letzten Tag der Aktion.

Reichstag Berlin 1995
Perituss , CC0 via Wikimedia Commons

Der Kontrast Zwischen Ephemerem Kunstwerk Und Regierungsarchitektur

Der Platz der Republik war 1995 eine leere Fläche. Die Verhüllung war die einzige Bespielung dieses Raums. Heute steht am Westrand das Paul-Löbe-Haus, am Nordrand das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus und am Ostrand das Band des Bundes. Die Regierungsbauten füllen den Spreebogen vollständig aus. Wo 1995 100.000 Quadratmeter silbernes Gewebe lagen, stehen heute drei Abgeordnetenhäuser.

Das temporäre Kunstwerk war eine Unterbrechung des Stadtumbaus. Der Baubeginn des Foster-Umbaus erfolgte im Juli 1995, unmittelbar nach dem Abbau. Die Kuppel, die heute das Wahrzeichen Berlins ist, existierte 1995 noch nicht. Der verhüllte Reichstag war das letzte Bild der Ruine. Danach begann die Verwandlung zum Regierungssitz. Gehen Sie so vor: zuerst die Vitrine im Paul-Löbe-Haus aufsuchen, dann die Fotos im Reichstag sehen, schließlich auf dem Rasen des Platzes der Republik stehen. Die Reihenfolge ist entscheidend. Das Gewebe sehen, dann das Gebäude heute betrachten, dann die leere Wiese.

Praktische Hinweise Für Die Spurensuche Im Regierungsviertel

Die drei Orte lassen sich an einem Vormittag besuchen. Beginnen Sie um 9 Uhr mit der Kuppelbesichtigung. Buchen Sie den Besuch online über die Besucherdienst-Seite des Bundestags, mindestens zwei Tage vorher. Ohne Anmeldung kein Einlass. Planen Sie 45 Minuten für den Kuppelaufstieg und die Fotoausstellung im Untergeschoss ein.

Von der Kuppel gehen Sie fünf Minuten über den Platz der Republik zum Paul-Löbe-Haus am Westufer der Spree. Der Eingang liegt an der Südseite. Die Sicherheitskontrolle dauert etwa zehn Minuten. Die Vitrine mit den Fragmenten befindet sich im ersten Obergeschoss, rechts neben der Haupttreppe. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr. Samstags und sonntags geschlossen. Der Eintritt ist kostenfrei. Ein gültiger Personalausweis oder Reisepass ist Pflicht.

Den dritten Ort, den Rasen des Platzes der Republik, können Sie jederzeit besuchen. Rund um die Uhr zugänglich, kostenfrei, ohne Kontrolle. Der beste Zeitpunkt für den Kontrast ist der frühe Nachmittag, wenn die Sonne auf die Fassade des Reichstagsgebäudes fällt. Dann stellen Sie sich vor, wie das aluminisierte Gewebe das Licht reflektierte.

Der häufigste Fehler: Sie kommen ohne Anmeldung zur Kuppel, stehen vor verschlossenen Türen und verlassen das Regierungsviertel, ohne die Vitrine im Paul-Löbe-Haus gesehen zu haben. Dann bleibt von der Verhüllung nur eine unlesbare Rasenfläche.

Für Wen Die Spurensuche Zur Reichstag Verhüllung 1995 Geeignet Ist

Die Suche nach den Resten der Verhüllung lohnt sich, wenn Sie sich für die Nachwendezeit interessieren und den Stadtumbau Berlins verstehen wollen. Architekturinteressierte sehen den Kontrast zwischen temporärer Kunst und dauerhafter Bebauung. Wer ein Faible für subkulturelle Nischen hat, findet hier den Gegenpol zur wilden 90er-Jahre-Ästhetik: die glatte, geplante Seite des Umbaus.

Nicht geeignet ist dieser Rundgang, wenn Sie ein homogenes, hübsches Altstadtbild suchen. Das Regierungsviertel ist keine Altstadt, sondern ein Neubaugebiet auf ehemaligem Grenzstreifen. Wer die 90er-Jahre-Ästhetik nicht aktiv lesen kann, sieht nur gesichtslose Neubauten und eine Rasenfläche. Die Spuren der Verhüllung sind nicht auffällig. Sie liegen in einer Vitrine und in einer Fotoausstellung. Der stärkste Hinweis ist das, was fehlt.