Der Berliner Mauerweg: 160 Kilometer in Etappen entlang des ehemaligen Grenzstreifens
Der Berliner Mauerweg führt auf 160 Kilometern um das ehemalige Westberlin. Welche Etappen lohnen, wo originale Grenzelemente stehen und was heute zu sehen ist.
Der Berliner Mauerweg Ist Kein Durchgehendes Mauerrelikt
Erwarten Sie kein 160 Kilometer langes Mauerstück. Es existiert nicht.
Der Mauerweg ist ein Rad- und Wanderweg. Etwa 70 Kilometer verlaufen auf dem alten Kolonnenweg. Die restlichen 90 Kilometer begleiten den ehemaligen Grenzverlauf auf parallelen Straßen, neu angelegten Pfaden oder durch Kleingärten. Nur an wenigen Stellen stehen originale Mauerstücke, Wachtürme oder Grenzsäulen. Auf großen Strecken fahren Sie auf Asphalt neben S-Bahn-Trassen.
Die Beschilderung ist einheitlich: blaue quadratische Schilder mit weißem Mauersymbol und der Aufschrift „Mauerweg“. Seit 2006 ist der Weg durchgängig befahrbar und begehbar.
Mauerweg Etappenplanung: 14 Abschnitte Mit S Bahn Anschluss
Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Berlin teilt den Weg in 14 Teilstrecken zwischen 9 und 14 Kilometern Länge. Fast jede Teilstrecke startet und endet an einem S-Bahnhof. Sie können jeden Teil einzeln gehen oder fahren, ohne Busrückweg. Nur bei den Strecken 5 und 6 im Brandenburger Umland beträgt die maximale Entfernung zur nächsten S-Bahn-Station etwa 5 Kilometer.
Strecken 1 und 2: Brandenburger Tor bis Wilhelmsruh (20 km)
Starten Sie am S+U Brandenburger Tor. Strecke 1 führt 10,5 Kilometer bis zum Schwedter Steg, vorbei an der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße. Dort sehen Sie auf 1,4 Kilometern einen original erhaltenen Grenzstreifen mit Vorderlandmauer, Hinterlandmauer, Kolonnenweg und Todesstreifen. Strecke 2 schließt mit 9,5 Kilometern von Nordbahnhof bis S Wilhelmsruh an. Der Mauerpark liegt auf dieser Route, ein ehemaliger Todesstreifen, heute Flohmarkt am Sonntag.
Strecken 3 bis 6: Wilhelmsruh bis Staaken (51 km)
Diese Teilstrecken führen durch den Nordwesten Berlins und Brandenburg. Strecke 3 (12 km, S Wilhelmsruh bis S Frohnau) und Strecke 4 (12 km, S Frohnau bis S Hennigsdorf) verlaufen teils auf Waldwegen und Kolonnenwegplatten. Strecke 5 (13 km, Hennigsdorf bis Schönwalde) und Strecke 6 (14 km, Schönwalde bis S Staaken) haben keinen direkten S-Bahn-Anschluss an Start oder Ende. Erreichen Sie den Startpunkt von Strecke 5 über die S-Bahn Hennigsdorf und den RE-Bahnhof Schönwalde. Auf diesen ländlichen Teilstücken sehen Sie Felder, Wälder und einzelne Grenzsäulen, aber kaum Mauerreste.
Strecken 7 bis 10: Staaken bis Marienfelde (46 km)
Strecke 7 (13 km, S Staaken bis S Wannsee) folgt der Heerstraße und dem Teltowkanal. Strecke 8 (11 km, S Wannsee bis S Griebnitzsee) führt am Griebnitzsee entlang. Hier stehen mehrere originale Grenzsäulen im Wasser und an Land, die Villenkolonie Neubabelsberg säumt den Weg. Strecke 9 (10 km, S Griebnitzsee bis S Lichterfelde Süd) und Strecke 10 (12 km, S Lichterfelde Süd bis S Marienfelde) zeigen den ehemaligen Grenzverlauf als grünen Korridor. In Lichterfelde Süd finden Sie Mauerreste und einen Wachturmrest der Führungsstelle Schlesischer Busch.
Strecken 11 bis 14: Marienfelde bis Brandenburger Tor (43 km)
Strecke 11 (11 km, S Marienfelde bis S+U Hermannstraße) und Strecke 12 (12 km, S+U Hermannstraße bis S Treptower Park) durchqueren südliche Bezirke. Strecke 13 (9 km, S Treptower Park bis S+U Warschauer Straße) erreicht die East Side Gallery, das längste bemalte Mauerstück. Strecke 14 (11 km, U Schlesisches Tor bis S+U Brandenburger Tor) schließt den Ring. Auf diesem Teilstück liegen die Oberbaumbrücke und der Checkpoint Charlie, beide ehemalige Grenzübergänge.
Mauerweg Fahrrad: 100 Prozent Befahrbar, Aber Nicht Durchgehend Komfortabel
Sie können den gesamten Mauerweg mit dem Fahrrad fahren. Der Komfort sinkt auf Waldwegen und den Betonplatten des Kolonnenwegs. Nach Regen werden die Platten rutschig, wassergebundene Decken und Waldboden matschig. Nur etwa 40 Prozent der Strecke sind asphaltiert.
Fahren Sie Rennrad? Legen Sie die ländlichen Teilstrecken 4, 5 und 6 in die Trockenzeit. Ein Tourenrad mit breiteren Reifen ist die richtige Wahl. Die Fahrradmitnahme in der S-Bahn ist ganztägig in Berlin und Brandenburg erlaubt. Fahrradwerkstätten finden Sie in Berlin dicht, in Brandenburg nur in Ortskernen.
Mauerweg Sehenswürdigkeiten: Wo Sie Originale Grenzelemente Finden
Die originalen Grenzelemente konzentrieren sich auf wenige Abschnitte. Planen Sie Ihre Strecken gezielt um diese Punkte.
Bernauer Straße (Strecken 1 und 2)
Die Gedenkstätte Berliner Mauer zeigt auf 1,4 Kilometern den original erhaltenen Grenzstreifen: Vorderlandmauer, Hinterlandmauer, Kolonnenweg, Todesstreifen und einen Wachturm. Das ist der einzige durchgehend erhaltene Abschnitt dieser Art.
East Side Gallery (Strecke 13)
Ein 1,3 Kilometer langes Mauerstück mit internationalen Kunstwerken. Die East Side Gallery ist kein originaler Grenzstreifen, sondern ein bemalter Mauerrest, der nach 1990 erhalten blieb.
Griebnitzsee (Strecken 8 und 9)
Hier stehen mehrere originale Grenzsäulen im Wasser und an Land. Der Uferweg markiert den ehemaligen Grenzverlauf, der mitten durch den See führte.
Lichterfelde Süd (Strecken 9 und 10)
Grüner Korridor mit Mauerresten und dem Wachturmrest der Führungsstelle Schlesischer Busch. Kein durchgehendes Relikt, aber die dichteste Konzentration an Fragmenten abseits der Touristenströme.
Mauerpark (Strecke 2)
Ehemaliger Todesstreifen, heute Park mit Flohmarkt. Mauerreste sind erhalten, aber eingebettet in Grünanlagen.
Grenzstreifen Berlin Weg: Was Sie Tatsächlich Vor Augen Haben
Der Weg entlang des ehemaligen Grenzverlaufs ist kein Freilichtmuseum. Auf 90 Kilometern begleiten Sie den früheren Todesstreifen auf parallelen Straßen, neu angelegten Pfaden oder durch Kleingartenanlagen. Die Bodenmarkierung, ein weißes Mauersymbol auf Asphalt, zeigt Ihnen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind, aber sie markiert keine historische Grenzlinie.
Die ländlichen Teilstrecken 4 bis 6 durch Brandenburg zeigen Felder, Wälder und einzelne Grenzsäulen, aber keine Mauerreste. Hier sehen Sie, was der Todesstreifen nach dreißig Jahren ohne Pflege geworden ist: ein schmaler, zugewachsener Korridor zwischen zwei Landschaften. Die innerstädtischen Abschnitte führen oft an S-Bahn-Trassen entlang, auf denen einst die Hinterlandmauer stand. Am Schildhorn markiert nur eine Grenzsäule den Übergang.
| Etappe | Länge | Start S Bahn | Ende S Bahn |
|---|---|---|---|
| 1: Brandenburger Tor bis Schwedter Steg | 10,5 km | S+U Brandenburger Tor | S Nordbahnhof / S Humboldthain |
| 2: Gesundbrunnen bis Wilhelmsruh | 9,5 km | S Nordbahnhof | S Wilhelmsruh |
| 3: Wilhelmsruh bis Frohnau | 12 km | S Wilhelmsruh | S Frohnau |
| 4: Frohnau bis Hennigsdorf | 12 km | S Frohnau | S Hennigsdorf |
| 5: Hennigsdorf bis Schönwalde | 13 km | S Hennigsdorf | RE Bahnhof Schönwalde |
| 6: Schönwalde bis Staaken | 14 km | RE Bahnhof Schönwalde | S Staaken |
| 7: Staaken bis Wannsee | 13 km | S Staaken | S Wannsee |
| 8: Wannsee bis Griebnitzsee | 11 km | S Wannsee | S Griebnitzsee |
| 9: Griebnitzsee bis Lichterfelde Süd | 10 km | S Griebnitzsee | S Lichterfelde Süd |
| 10: Lichterfelde Süd bis Marienfelde | 12 km | S Lichterfelde Süd | S Marienfelde |
| 11: Marienfelde bis Britz | 11 km | S Marienfelde | S+U Hermannstraße |
| 12: Britz bis Treptow | 12 km | S+U Hermannstraße | S Treptower Park |
| 13: Treptow bis Schlesisches Tor | 9 km | S Treptower Park | S+U Warschauer Straße / U Schlesisches Tor |
| 14: Schlesisches Tor bis Brandenburger Tor | 11 km | U Schlesisches Tor / S+U Warschauer Straße | S+U Brandenburger Tor |
Praktische Hinweise: Beschilderung, Bodenbelag Und Rastplätze
Die Wegweiser sind einheitlich: blaue quadratische Schilder mit weißem Mauersymbol und der Aufschrift „Mauerweg“. Auf dem Boden sehen Sie teils ein weißes Mauersymbol auf Asphalt, teils nur die Beschilderung. Mehr als 100 Geschichts- und Informationstafeln säumen den Weg. Etwa alle 3 bis 5 Kilometer finden Sie Bänke, die Dichte variiert je Teilstrecke.
Der Bodenbelag wechselt zwischen Asphalt, Betonplatten des Kolonnenwegs, wassergebundener Decke und Waldboden. Das Steigungsprofil ist weitgehend flach, die maximale Steigung liegt unter 5 Prozent auf der gesamten Strecke. Barrierefrei ist der Weg nicht durchgängig: Abschnitte mit losem Untergrund oder schmalen Pfaden sind vorhanden. Beleuchtet sind nur die innerstädtischen Abschnitte, die ländlichen Teilstrecken bleiben unbeleuchtet. Winterdienst gibt es auf ländlichen Teilstrecken nicht, innerstädtische Abschnitte werden teils geräumt. Bei Schnee sind Kolonnenwegplatten und Waldwege kaum begehbar.
Typische Fehler Und Wie Sie Sie Vermeiden
Der häufigste Fehler: Nur den Checkpoint Charlie und das Mauermuseum besuchen und denken, man habe die Transformation verstanden. Der eigentliche Umbau fand kilometerweit entfernt auf leeren Brachen und in Hinterhöfen statt.
Zweiter Fehler: Die Distanzen zwischen den verstreuten Relikten unterschätzen. Zwischen der Bernauer Straße und der East Side Gallery liegen 12 Kilometer auf Strecke 14.
Dritter Fehler: Ohne Offline-Karte mit historischen Overlays unterwegs sein. In Clubs herrscht striktes Fotoverbot, Kameralinsen werden abgeklebt. Für Kieztouren ist eine Offline-Karte mit historischen Overlays hilfreich. Viele Orte der 90er Jahre sind komplett verschwunden und nur per App oder Führung als frühere Schauplätze lesbar.
Empfohlene Jahreszeit Und Vermeidungszeiträume
Reisen Sie zwischen Mai und September. Angenehmes Wetter für lange Spaziergänge entlang ehemaliger Grenzstreifen und Open-Air-Partys, dazu viele Stadtführungen im Angebot.
Meiden Sie die ITB-Messe im März, dann sind die Hotelpreise extrem hoch. Der 1. Mai ist problematisch, weil der Krawalltourismus in Kreuzberg die historische Perspektive überlagert. Im November macht trübes Wetter die Brachflächenromantik schwer lesbar. Wenn Sie im November trotzdem reisen, konzentrieren Sie sich auf die innerstädtischen Teilstrecken mit Asphalt und Beleuchtung.
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