Geisterbahnhöfe: die Stationen in Berlin, durch die der Westen fuhr

Die Berliner Geisterbahnhöfe der Linien U6 und U8: Welche Stationen ohne Halt durchfahren wurden, wann sie wieder öffneten und was heute dort zu sehen ist.

Berlin U-Bahn 1990s
Lothar Weber , CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Die Fahrt Ins Nichts

Am 13. August 1961 um 4:30 Uhr morgens hielt der letzte Zug der U8 am Bahnhof Heinrich-Heine-Straße. Dann wurden die Türen verriegelt. Für 29 Jahre rasten die Züge der West-Berliner BVG auf den Linien U6 und U8 durch Ost-Berlin, ohne einen einzigen Halt. Die Bahnsteige blieben beleuchtet, bewacht von bewaffneten Grenzsoldaten der Transportpolizei der DDR. Wer heute in Berlin die U6 oder U8 nimmt, sitzt in denselben Tunneln, durch die einst die einzige Verbindung zwischen dem West-Berliner Norden und Süden verlief. Die Geisterbahnhöfe sind das sichtbarste Relikt dieser Transitstrecke. Sie lassen sich bis heute abfahren wie Stationen in einem Museum, das noch in Betrieb ist.

Berliner Geisterbahnhöfe Liste: Alle Stationen Der Linien U6 Und U8

Insgesamt 16 Stationen auf den U-Bahn-Linien U6 und U8 sowie auf der Nord-Süd-S-Bahn wurden am 13. August 1961 geschlossen. Die West-Berliner Züge durchfuhren sie ohne Halt. Die Türen öffneten sich erst wieder zwischen dem 11. November 1989 und 1993. Die genaue Liste für die U6: Station Unter den Linden (heute Brandenburger Tor, 1993 wiedereröffnet). Für die U8: Bernauer Straße (12. April 1990), Rosenthaler Platz (18. Dezember 1990), Weinmeisterstraße (18. Dezember 1990), Alexanderplatz (18. Dezember 1990), Jannowitzbrücke (11. November 1989) und Heinrich-Heine-Straße (1. Juli 1990). Die S-Bahn-Stationen Nordbahnhof (1. September 1990), Oranienburger Straße (2. Juli 1990), Unter den Linden (1. September 1990, heute Brandenburger Tor) und Potsdamer Platz (1. März 1992) kamen hinzu.

U-Bahn Ost-West Berlin: Wie Der Transit Durch Die Geteilte Stadt Funktioniere

Die U-Bahn zwischen Ost und West war keine Verbindung, sondern ein Durchgang ohne Ausstieg. Die Züge der U6 fuhren vom West-Berliner Wedding durch Ost-Berlin nach Neukölln. Die Züge der U8 folgten einer ähnlichen Route von Gesundbrunnen nach Neukölln und passierten dabei Ost-Berliner Gebiet. Die DDR verlangte von der BVG eine jährliche Transitgebühr in Westmark.

Die Sicherung Der Bahnsteige

Die Bahnsteige der geschlossenen Stationen waren durch Betonwände von den Gleisen getrennt, zusätzlich gesichert durch Stacheldraht und Alarmvorrichtungen. Pro Station postierte die Transportpolizei zwischen zwei und sechs bewaffnete Posten auf den Bahnsteigen. Sie standen direkt an der Kante. Die Fahrgäste im Zug sahen diese Soldaten durch die Fenster. Der Zug verlangsamte auf Schrittgeschwindigkeit, öffnete aber nie die Türen.

Grenzübergang Bahnhof Friedrichstraße: Der Einzige Ort Zum Aussteigen

Der Grenzübergang Friedrichstraße war die Ausnahme. Nur hier durften West-Berliner aussteigen und nach Ost-Berlin einreisen. Die Abfertigungshalle, heute als Tränenpalast bekannt, steht noch am Bahnsteig. Sie wurde nach 1990 zur Gedenkstätte umgebaut. Steigen Sie an der Friedrichstraße aus und betreten Sie den Tränenpalast. Der Eintritt ist frei. Dort sehen Sie die Originalkabinen der Grenzkontrolle.

Ein Knotenpunkt Mit Zwei Gesichtern

Der Bahnhof Friedrichstraße selbst ist bis heute ein komplexer Umsteigeknoten zwischen U6, S-Bahn und Regionalzügen. Die Grenzabfertigung fand im Erdgeschoss statt. Wer die Ausstellung im Tränenpalast sieht, versteht, warum diese Station in der Geisterbahnhöfe-Liste einen Sonderstatus hat: Sie war nie geschlossen, aber immer bewacht.

Geisterbahnhof U6 U8: Was Heute Von Den Stationen Übrig Ist

Die Geisterstationen der U6 und U8 sind heute normale Haltepunkte der BVG. Aber die Spuren der Teilung sind sichtbar, wenn man weiß, wo man hinsieht.

Erhaltene Grenzsicherung

Im U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße sind am östlichen Ausgang originale DDR-Grenzsicherungsreste erhalten: Betonfundamente der Sperrmauern und die Halterungen für die Stacheldrahtrollen. Die BVG hat sie als Teil des Bahnsteigdesigns belassen.

Umbauten Und Ausstellungen

Einige Stationen wie der U-Bahnhof Unter den Linden (heute Brandenburger Tor) wurden nach 1990 komplett umgebaut. Die Wiedereröffnung der U6-Station unter den Linden 1993 war die letzte der Reihe. Im S-Bahnhof Nordbahnhof finden Sie die Dauerausstellung „Grenz und Geisterbahnhöfe im geteilten Berlin“, die 1999 von der Stiftung Berliner Mauer eröffnet wurde. Dort ist eine originale DDR-Grenzkabine ausgestellt, teilweise originale Beschilderung und ein originaler Tunnelmund mit Grenzsicherung.

Jeder Geisterbahnhof Im Detail: Jahr Der Wiedereröffnung Und Was Heute Zu Sehen Ist

U8: Jannowitzbrücke

Der erste wiedereröffnete Geisterbahnhof der U8 öffnete bereits am 11. November 1989, zwei Tage nach dem Mauerfall. Heute ist es ein normaler U-Bahnhof mit Ausgang zur Jannowitzbrücke und zur Holzmarktstraße. Die ursprünglichen Fliesen aus den 1930er Jahren sind an einigen Stellen erhalten.

U8: Bernauer Straße

Am 12. April 1990 wiedereröffnet. Der Bahnhof ist heute Teil des Gedenkstättenensembles Berliner Mauer in der Bernauer Straße. Der Ausgang führt direkt zum erhaltenen Grenzstreifen mit der Dokumentationsstätte. Die Station selbst zeigt noch die ursprüngliche Tunnelarchitektur.

U8: Heinrich-Heine-Straße

Wiedereröffnung am 1. Juli 1990. Hier sind die DDR-Grenzsicherungsreste am östlichen Ausgang bewusst erhalten. Eine Schautafel am Bahnsteig erklärt die Sicherungsanlagen. Die Betonwände, an denen die Grenzsoldaten postiert waren, stehen noch.

U8: Rosenthaler Platz, Weinmeisterstraße und Alexanderplatz

Alle drei Stationen öffneten am 18. Dezember 1990. Der Alexanderplatz war der komplexeste Fall, weil hier U-Bahn und S-Bahn unter einem Dach verliefen. Die BVG ließ die Betonwände entfernen, aber die Fliesen der 1930er Jahre blieben weitgehend erhalten. Der Bahnhof Rosenthaler Platz liegt heute im Ausgehviertel um die Torstraße.

S-Bahn: Nordbahnhof

Wiedereröffnung am 1. September 1990. Die Dauerausstellung im Zwischengeschoss zeigt die Geschichte der Nord-Süd-Bahn und der Grenzübergänge. Eintritt frei, geöffnet täglich 10 bis 18 Uhr. Die Ausstellung umfasst eine originale DDR-Grenzkabine und erhaltene Beschilderungen.

S-Bahn: Oranienburger Straße

Wiedereröffnung am 2. Juli 1990. Der Ausgang führt zur gleichnamigen Straße mit der restaurierten Synagoge. Die Station hat ihre ursprüngliche Beleuchtung und Kacheln teilweise erhalten.

S-Bahn: Unter den Linden (heute Brandenburger Tor)

Wiedereröffnung am 1. September 1990. Nach der Wende wurde die Station umgebaut und 1993 auch die U6-Ebene eröffnet. Der Ausgang Pariser Platz führt direkt zum Brandenburger Tor.

S-Bahn: Potsdamer Platz

Wiedereröffnung am 1. März 1992. Die Station war die letzte der S-Bahn-Geisterbahnhöfe. Die originalen Bahnsteigkacheln aus den 1930er Jahren sind teilweise erhalten. Die Ausgänge führen in die Potsdamer-Platz-Neubauarchitektur der 1990er Jahre.

Nordbahnhof Berlin
Ubahnverleih , CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Die Stationen Damals: Vermauerte Zugänge Und Bewaffnete Posten

Die Geisterbahnhöfe sahen in den 29 Jahren der Teilung aus wie eine Kulisse aus einem Kalten-Krieg-Film. Die Zugänge von der Straße waren mit Betonplatten oder Mauerwerk verschlossen. Auf den Bahnsteigen patrouillierten Angehörige der Transportpolizei der DDR, jede Station mit zwei bis sechs bewaffneten Posten besetzt. Die Soldaten standen auf den Bahnsteigen und beobachteten die durchfahrenden Züge. Die Züge verlangsamten auf Schrittgeschwindigkeit. Die Türen blieben geschlossen. Die Beleuchtung auf den Bahnsteigen war gedimmt, um Strom zu sparen und die Sicht auf die Fahrgäste zu erschweren. An den Bahnsteigkanten lösten Alarmschwellen aus, sobald jemand sie betrat. Für die Fahrgäste war es ein surreales Erlebnis: Sie sahen leere Bahnsteige mit Soldaten, die sie anstarrten.

Praktische Tipps Für Die Spurensuche

Für die Tour entlang der Geisterbahnhöfe brauchen Sie eine BVG-Fahrkarte. Stecken Sie Ihr Ticket vor Fahrtantritt in den Entwerter. Ein ungestempelter Fahrschein ist ungültig, auch wenn Sie ihn gerade erst gekauft haben. Die U6 und U8 verkehren im Takt von vier bis fünf Minuten.

Wann Sie Fahren Sollten

Planen Sie mindestens drei Tage für Berlin ein, sonst bleibt es bei einem oberflächlichen Mauersegment. Die beste Reisezeit ist Mai bis September. Meiden Sie die ITB-Messe im März, dann explodieren die Hotelpreise. Meiden Sie den 1. Mai, dann herrscht Krawalltourismus in Kreuzberg. Im November erschwert trübes Wetter das Lesen der Brachflächen.

Anreise Und Ticket

Der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) liegt 30 bis 40 Minuten mit der S9 oder dem Regionalexpress vom Zentrum entfernt. Kaufen Sie einen Einzelfahrschein für etwa 4,40 Euro, Tarifbereich ABC.