Willkommen in den 90er Jahren! Nineties Berlin vermittelt dir das Lebensgefühl in Berlin in dieser ganz besonderen Zeit. Aber welche Themen spielten in dieser Epoche eine Rolle, was war das Besondere an Berlin und warum zieht es noch heute Kreative und Visionäre aus der ganzen Welt in diese Stadt?

Diktatur – Mauer – Freiheit

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 picture alliance / Associated Press

Die Überwindung der SED-Diktatur durch die Friedliche Revolution war ein freudiges Ereignis, das am Tag des Mauerfalls weltweit Thema wurde. Zehntausende feierten am 9. November 1989 den Fall der Mauer, deren Erbauer für die Trennung von Familien und 140 Berliner Maueropfer verantwortlich waren. Insgesamt starben an der deutsch-deutschen Grenze mindestens 327 Menschen. Das Symbol für all die Toten wurde nun von den Menschen aus Ost und West erobert: Sie kletterten zu Hunderten auf die Mauer, erklommen zum Jahreswechsel 1989/1990 die Quadriga in 26 Metern Höhe auf dem Brandenburger Tor und rissen in den Monaten danach die Berliner Mauer aus dem Herzen der Stadt. Die sogenannten Mauerspechte zerstückelten die Reste des einst unantastbaren Symbols der Deutschen Teilung und etablierten so das Recht auf ein eigenes Stück Erinnerung an diese weltweit einmaligen Ereignisse.

Kai-Uwe Kohlschmidt
im grunde genommen haben die leute im westen auch eine wende erlebt. also auch ihr land sollte sich stark verändern.
Kai-Uwe Kohlschmidt, damaliger Punkrocker, geboren in der DDR

Techno – Loveparade – Underground

Foto: akg-images / AP

Mit dem Fall der Berliner Mauer am 9.11.1989 entstanden in der vormals geteilten Stadt Freiräume, die Menschen aus Ost, West und der ganzen Welt für ihre Visionen nutzten. Berlin wurde zu einem unvergleichlichen Abenteuerspielplatz für Ideen. Musiker/-innen, Künstler/-innen und Kreative besetzten Häuser oder eröffneten Cafés, Clubs und Galerien. Bereits im Sommer 1989 tanzten Technofans während der ersten Loveparade auf der Straße unter den Augen der ungläubigen Passantinnen und passanten. Vier Jahre später waren aus 150 Personen mehr als 100.000 geworden und Mitte der 90er Jahre pilgerten regelmäßig über eine Million Technobegeisterte in den Berliner Tiergarten. Die Loveparade war zu einem Massenphänomen geworden, Techno einte die Menschen in Ost und West und so wurde die Loveparade in Berlin zum Symbol der Freiheit. In weniger als fünf Jahren ist aus der geteilten Stadt Berlin, einem Schauplatz des Kalten Krieges, eine weltoffene Stadt mit auf der Straße zu Techno tanzenden Massen geworden.

Anarchie – Wandel – Visionen

Foto: akg-images / Hansgeorg Schöner

Der Untergang der DDR brachte Freiheit und Ungewissheit zugleich. Während einige Politiker/-innen eine demokratische DDR planten, wollten andere die Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Die Bevölkerung nutzte die neue Freiheit, erlebte aber auch, wie Altbekanntes verschwand, der Kapitalismus Einzug hielt und wirtschaftliche Umbrüche den Alltag veränderten. Es gab aber nicht nur theoretisch neue Freiräume: In Ost-Berlin wurden Häuser besetzt, altbekannte Strukturen überwunden. Gebäude in Mitte und Prenzlauer Berg, die zu DDR-Zeiten verfallen waren, wuchsen nun unabhängig von Gesetzen zu Orten der Anarchie, der Kreativität und Jugendkultur heran. Diese aufregende, weltoffene Zeit ging in die Geschichte ein und begründete den Mythos „Berlin“. Die neuen Freiheiten und vielen Veränderungen führten aber auch zu Radikalismus. Die Gewalttätigkeit und Brutalität von Hooligans und Rechtsextremist/-innen breiteten sich nach dem Fall der Mauer weiter aus. Nineties Berlin gibt Zeitzeuginnen und zeitzeugen den Raum, ihre persönlichen Erinnerungen an diese Zeit zu teilen.

Sven Friedrich
du hast im prinzip 'nen rechtsfreien raum gehabt. ja, das war fast wie anarchie
Sven Friedrich, damaliger Hooligan, lebte in Ost-Berlin

Kunst – Umbruch – Subkultur

Foto: Stefan Schilling

Der 9. November 1989 hatte gezeigt: Das Undenkbare war möglich geworden, Veränderungen und Wertewandel gehörten nun zum Alltag des vormals geteilten Berlins. Leer- und Freiräume luden dazu ein, mit Leben und Ideen gefüllt zu werden. Dabei spielten Finanzierungen, Genehmigungen oder Konventionen nur eine untergeordnete Rolle bei der Umsetzung von Ideen. Man experimentierte ohne wirtschaftlichen Druck. Künstler/-Innen eröffneten Galerien in Hinterhöfen, leerstehende Altbauten in Ostberlin wurden besetzt, Clubs in alten vergessenen Industriebrachen gegründet. Der „Tresor“, die „Tekknozid Partys“ oder das "Kunsthaus Tacheles“ stehen beispielhaft für eine inzwischen weltweit bekannte Underground-kultur. Doch nur wenige dieser in den 90er Jahren entstandenen Orte und Veranstaltungen haben die Zeit der rasanten Veränderungen überdauert. Die Geschichte der Interessantesten erzählt nineties berlin.

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